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10 Anzeichen für ein unliebsames Mandat

August 10, 2010

1.  Das Gericht fragt von sich aus an, ob der Anwalt willens ist, den (zukünftigten) Mandanten zu vertreten, wobei die Bewilligung von Prozeßkostenhilfe zugesagt wird.

2.  Die sodann erhaltene Akteneinsicht offenbart, daß der Mandant das Gericht zuvor mit ebenso regelmäßigen wie chaotischen Schreiben zugeschüttet hat. Das Fehlen jeglicher Erfolgsaussichten deutet auf eines hin: Die Beiordnung soll verhindern, daß das Gericht weiterhin mit nahezu unverständlichen Eingaben belästigt wird.

3.  Der Mandant bringt seine unsortierten Unterlagen in mehreren Plastiktüten mit.

4.  Er ist aber nicht in der Lage, das gerade benötigte Dokument zutage zu fördern, so daß er anbietet, die Plastiktüten in der Kanzlei zu lassen. Irgendwie seien ohnehin alle der Unterlagen wichtig für das Verfahren.

5.  Außergerichtlich war der Mandat bereits von drei anderen Anwälten vertreten worden, welche das Mandant jeweils niedergelegt hatten.

6.  Zwei dieser Anwälte möchte der Mandant verklagen, gegen alle drei hat er bereits Strafanzeige wegen aller in Betracht kommenden Delikte erstattet.

7.  Der Mandant unterstützt seinen Anwalt nach Kräften, indem er parallel zu denanwaltlichen Schriftsätzen auch weiterhin selbst an das Gericht schreibt, ohne dem Anwalt davon zu erzählen. Der Anwalt erfährt hiervon erst, als die Schriftsätze des Gegners sich auch auf diese Schreiben beziehen. Ersichtlich ist die Strategie des Gerichts (siehe 2.) fehlgeschlagen.

8.  Damit auch ja keine Termine versäumt werden, erkundigt sich der Mandant täglich nach dem Sachstand. Da Telefonanrufe so unpersönlich sind, kommt er hierzu direkt in die Kanzlei, um den Anwalt nur ganz kurz zu sprechen.

9.  Wenn derMandant dann doch ausnahmsweise anruft, teilt er mit, daß es “um seine Sache geht”. Der Anwalt wisse schon Bescheid. Mehr wolle er am Telefon nur dem Anwalt selbst sagen.

10.  Regelmäßig überreicht der Mandant dem Anwalt Hinweise auf Urteile des Amtsgerichts Hinterposemuckel, die der Mandant aus Zeitschriften und Zeitungen ausgeschnitten hat und welche “ganz genau” auf den Fall des Mandanten passen.

RA Müller

7 Kommentare

  1. Ich meine nicht, dass “der Ausnahmefall eines Querulanten” für DIE MANDANTEN in dieser Form relevant ist.
    Genauso könnte man erwidern:
    10 Anzeichen für ein ungeliebtes Mandat:

    1. der Streitwert ist kaum einträglich
    2. der Streitgegner ist zu übermächtig – relativ zum “kleinen” Rechtsanspruch -
    3. wegen 2.) drückt sich der Rechtsvertreter schon nur um Aufforderung(en) zur Stellungnahme “unter seiner Flagge”
    4. es wird nicht einmal die Mühe gemacht, den Streitwert – ggf. mit lfd. Erhöhung – rechnerisch zu ermitteln/bestätigen
    5. ganz schlimm: Rechtsbrüche – wieder inbesondere zu 2.) – werden bereits als ‘herrschende Tatsache’ toleriert
    6. Landes- und Bundesrechtsanwaltskammer ignorieren Hinweise auf “fraglichen Umgang mit Mandantenaufträgen”
    7. für (nachweisbare!) Darstellungen in aufklärenden Medien sind nur “reißerische” Fälle von Bedeutung
    8. Damit gerät das Rechtswesen insgesamt (mehr als) ins Zwielicht
    9. Ein ‘bedingtes’ Rechtssystem aber beschneidet demokratische Gesetzmäßigkeiten
    10. Kratzen an Demokratiegrundsätzen führt früher oder später zur Unfreiheit. (von Mandant, Mandatsträger, Berufsverbänden, Journalismus, Gesamtvolk)

    Das gerade diese seit langem sich abzeichnenden Entwicklungsabfolgen von gebildet-freiheitlichen Intelligenzen nicht erkannt werden, ist symptomatisch bereits für um sich gegriffene Abhängigkeiten.

    Die Liste liese sich übrigens fortsetzen, wenn zum Streitfall im Zusammenhang stehende öffentliche Förderungen durch Aufklärung und Rechtsprechung public würden ……

    Klaus Melchior


  2. “Gebildet-freiheitliche Intelligenzen”? Sterben nicht täglich etliche Arten in der Tier- und Pflanzenwelt aus? Die nämlichen Intelligenzen sind schon längst in der Weite verschwunden, die nachfolgende Generation, oder soll man sagen Degeneration, hats sich nach Brecht bequem gemacht, denn “Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm”. Geblieben ist Savanne. Auch ein Grund, weswegen es so viele rabiate Querulanten gibt: sie sind zum intellektuellen Niveau gekommen wie die Jungfrau zur unbefleckte Empfängnis und so fühlen sie sich zu dessen Verteidigung berufen.


  3. richtig schlimm wird es doch erst, wenn die genannten Anzeichen kumulativ auftreten nebst einem
    unterirdischen Streitwert!!


    • richtig – bzw. dem stimme ich zu.
      denn beileibe nicht nur im Bereich von “Kanzelei&Recht” gelten diese hier eingestellten Punkte. (beide!)
      Insbesondere in der Banken-, Bau, Versicherungs- und Medienbranche ……..
      Dies als Zuspruch für alle einsamen Restkämpfer, die sich mit diesen Verhältnissen und Entwicklungen nicht identifizieren lassen wollen.
      AUCH BEI ÜBERIRDISCHEM STREITWERT:
      Klaus Melchior


    • In der Tat. Alle 10 Konstellationen habe ich bereits erlebt, aber mehr als vier sind bisher nicht kumulativ aufgetreten.


  4. [...] noch ein paar Links zu amüsanten, interessanten oder kuriosen JuraBlog-Beiträgen: Woran erkennt man ein unangenehmes Mandat?, Wie ärgern wir das Gericht?, Muster für staatsanwaltschaftliche Plädoyers, Von [...]


  5. [...] noch ein paar Links zu amüsanten, interessanten oder kuriosen JuraBlog-Beiträgen: Woran erkennt man ein unangenehmes Mandat?, Wie ärgern wir das Gericht?, Muster für staatsanwaltschaftliche Plädoyers, Von [...]



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