h1

Von Mietnomaden und den TV-Helfern

Juli 12, 2011

Der Begriff des Mietnomaden erfreut sich derzeit einer gewissen Beliebtheit. Auch der Gesetzgeber hat dieses erkannt und plant Gestezesänderungen, die dem Vermieter den Rauswurf des unliebsamen Mieters vereinfachen sollen (zu den neuen Regelungen siehe etwa den Beitrag hier).

Es erscheint mir ausgesprochen zweifelhaft, ob die beabsichtigten Änderungen Vermietern nennenswert helfen werden. Der “große Wurf” sind sie jedenfalls nicht. Es ist aber auch schwierig, den Vermietern mehr Möglichkeiten gegen “böse Mieter” zu geben, ohne damit auch die Rechte der anderen (und damit weit überwiegenden Zahl der) Mieter nachhaltig zu verkürzen.

Auch das Privatfernsehen läßt es sich aktuell nicht nehmen, auf den Zug der allgemeinen Empörung und Schaulust aufzuspringen und den geplagten Vermietern über die Schulter zu schauen. Dort wird den bösen Mietern dann mit allerhand Aufwand nachgegangen. So wird etwa ein Detektiv beauftragt, welcher dann trickreich eine Einwohnermeldeamtsanfrage in die Wege leitet, um den neuen Wohnort der “verschwundenen” Mieter zu ermitteln.

Da ist man baff. Zur EInholung einer Auskunft des Einwohnermeldeamtes bedarf es natürlich dringend eines Detektivs…

Oder es wird ein Anwalt beaufragt, welcher dann verkündet, daß der Mieter den Schaden zwar ersetzen muß, man einem nackten Mann aber nicht in die Tasche greifen kann. Auch diese Erkenntnis wird jeden Zuschauer überraschen…

Fakt ist, daß die Vermieter in den Fällen, in denen sie mit den klassischen “Mietnomaden” konfrontiert sind, regelmäßig auf ihren Kosten sitzen bleiben, da bei den Mietern nicht szu holen ist. Die Vermieter können froh sein, wenn es ihnen mit anwaltlicher Hilfe gelingt, die Mieter möglichst früh wieder los zu werden, so daß sich der Schaden in Grenzen hält.

Eines aber sollte bei der Diskussion um Mietnomaden nicht übersehen werden: Sie sind eine Randerscheinung. Selbst bei den mietrechtlichen Klageverfahren dürften sie nur einen verschwindend geringen Anteil ausmachen, da nicht jeder nicht zahlende Mieter gleich ein “Mietnomade” ist.

RA Müller

6 Kommentare

  1. “da nicht jeder nicht zahlende Mieter gleich ein „Mietnomade“ ist”

    Bitte? Natürlich ist jeder, und zwar erbarmungslos ausnahmslos, ein Mietnomade, der nicht pünktlich seine vollständige Miete zahlt. Egal, ob bspw. Schimmel in der Wohnung den Mietwert erheblich mindert. Wenn die Vermieterin die Mitbegründerin des Matriarchats ist, ist das so. Da kann ihr auch ein Richter nix anderes erzählen.

    Übrigens: Wenn irgendwo eine benutzte Tasse auf einem ansonsten leeren, ca. zwei Quadratmeter großen Tisch steht, ist er erbarmungslos ausnahmslos ein Messi. Nicht, dass mir da auch noch Diskussionen aufkommen!

    ;o)


  2. Eine Pflichtdienst der ehemaligen Mieter zum Entrümpeln und Putzen mit Haftandrohung bei Dienstflucht wäre manchmal sinnvoller.


  3. kleiner besuch eine schöne Seite hast du , ich wünsche dir einen schönen Mittwoch


  4. Die geplanten Änderungen finde ich recht wirkungsvoll, ohne dass die “normalen” Mieter sonderlich benachteiligt werden würden.
    Besonders eine deutlich schnellere Räumung wird vorangetrieben.
    Ich wundere mich nur, dass die Kündigungsfrist bei einer Kündigung der Mieter ab 5 Jahre Mietdauer weiterhin länger dauert als 3 Monate. Dem Gemecker des Mieterschutzbundes kann man dabei deren eigenen Argumente um die Ohren hauen.


    • Den “klassischen” Mietnomaden dürfte mit den Änderungen kaum beizukommen sein. Die werden die Kaution + erste Monatsmiete zahlen und sich alsbald auf Schimmel etc. stürzen, so daß das Gericht es nicht leicht haben wird, einen offensichtlichen Anspruch auf die Miete festzustellen, um zu einer Hinterlegung der Miete bei Gericht zu kommen.


  5. Darüber, inwieweit das Mietnomadentum eine Randerscheinung ist, kann man trefflich streiten…
    Da viele dieser Fälle für den Vermieter oftmals existenzbedrohend sind, kann man die Emotionen, die in diesem Thema stecken, sicherlich verstehen.
    Ob das Privatfernsehen immer das richtige Format für seine Ausstrahlungen findet, mag ich nicht beurteilen. Wichtig ist jedoch, daß das Thema immer wieder öffentlich gemacht wird, damit eine Sensibilität für dieses Thema geschaffen wird.



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 45 other followers