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Unseriöse Partnerschaftsvermittlung

März 16, 2010

Ganz erstaunlich ist es, welche Kosten im Rahmen einer Partnerschafts-vermittlung entstehen können und wie manche Partnerschaftsvermittlungen die Hoffnungen ihrer Kunden ausnutzen, um diese über den Tisch zu ziehen.

So hatte mein Mandant, welcher nicht eben über ein üppiges Einkommen verfügt, eine Kontaktanzeige in einer Zeitung gesehen und beschlossen, daß er eben jene Dame auf dem dazugehörigen Bild kennenlernen wollte. Also rief er bei der Agentur an, welche ihm sogleich eine freundliche Mitarbeiterin nach Hause schickte. Es ginge zunächst darum, ein „Profil“ von ihm zu erstellen. Nur wenn dieses zu jenem der Dame passe, würden die Kontaktdaten herausgegeben werden.

Hierauf ließ sich mein Mandant ein, beantwortete einige Fragen und sollte dann auch einen Vertrag unterzeichnen, der sich durch eine Vielzahl von unscheinbaren, in geringer Schriftgröße gehaltenen Textpassagen hervortat. Von dem Vertrag erhielt er eine Kopie, welche überwiegend als unlesbar bezeichnet werden darf. Die freundliche Mitarbeiterin der Partnerschafts-vermittlung verließ dann schließlich die Wohnung des Mandanten mit den Worten, daß sich zeitnah jemand mit meinem Mandanten in Verbindung setzen wollte wegen der Zahlung. Sein Profil sehe dabei ganz gut aus, so daß ein Kontakt zu der unbekannten Dame möglich sei. Zuvor unterzeichnete unser Mandant noch einen „Kündigungsverzicht“ und einen „Verzicht auf das Widerrufsrecht“.

Nach dem Vertrag verpflichtete mein Mandant sich dabei zur Zahlung von knapp 9.000,- € (!). Als Gegenleistung sollte er 15 Partnervorschläge erhalten. Von der unbekannten Dame war keine Rede mehr. Einer dieser Partnervorschläge, den unser Mandant bereits erhalten hat, besteht aus einem Dreizeiler mit Angabe von Name, Anschrift, Telefonnummer und einer wenig aussagekräftigen Beschreibung.

Die Krönung war dann der Besuch des Mitarbeiters der Gegenseite, welcher nun zum Kassieren kam. Mein Mandant sollte das Geld sogleich zahlen. Als er mitteilte, hierzu gar nicht in der Lage zu sein, wurden allerlei Geschütze aufgefahren. So wollte der Mitarbeiter unseren Mandanten zu dessen Mutter, Verwandten und sogar Nachbarn begleiten, welche mein Mandant um ein Darlehen bitten sollte. Auch zur Bank wollte der Mitarbeiter ihn bringen, damit mein Mandant dort ein Darlehen aufnimmt. Letztlich stellte der Mitarbeiter sogar den Kontakt zu einem „Kreditvermittler“ her. Es gelang dem Mitarbeiter dann noch, unserem Mandanten einzureden, daß er jetzt die Anfahrtskosten zu bezahlen habe, welche sich auf 100,- € beliefen.

Festzuhalten ist, daß mein Mandant außergerichtlich keine Zahlungen an die Gegenseite leisten wird. Das einzige, was die Gegenseite erhalten wird, wird ein ebenso ausführliches wie deutliches Anwaltsschreiben sein.

Insgesamt klingt das Vorgehen der Gegenseite wie die sprichwörtliche „Räuberpistole“. Aber das ist nicht der erste Fall dieser Art, der über meinen Schreibtisch wandert. Vor einiger Zeit berichtete ein Mandant von einem ganz ähnlichen Fall incl. Anforderung von Fahrtkosten, Begleitung zur Bank, Vertrösten darauf, die Person in der Kontaktanzeige später kennenlernen zu können, Unterzeichnung eines Kündigungs- und Widerrufsverzichts etc. Eines jedenfalls steht ohne Zweifel fest: Seriös ist das Vorgehen der Gegenseite nicht. Rechtlich unangreifbar ist es glücklicherweise ebenfalls nicht.

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2 Kommentare

  1. […] welche den Geldbeutel meines Mandanten um nahezu 9.000,- € erleich-tern wollte [siehe hier und hier], hat das anwaltliche Schreiben Früchte […]


  2. […] der Sache betreffend die wenig seriös auftretende Partnerschaftsvermitt-lung (siehe: hier) wird der Tonfall deutlich härter. So erhielt er einen völlig aufgebrachten Anruf von der […]



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