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Frech muss man sein

März 26, 2010

Unser Mandant wurde von einem Versandhaus in Anspruch genommen. Er hat aber in letzter Zeit dort gar nichts bestellt. Ich fordere die Gegenseite also zunächst auf die Vertragsunterlagen vorzulegen.

Nachdem diese dann vorliegen ist schnell klar: Die bestellten Waren (u.a. ein Fernseher) sind nicht an den Mandanten, sondern an eine ganz andere Adresse geliefert worden.

Wir hatten uns schon so etwas gedacht.

Der Mandant hatte vor einiger Zeit eine minderjährige Bekannte bei sich wohnen lassen – mit der Folge, dass mit deren Auszug u.a. das Handy des Mandanten verschwunden war. Ein Blick in das Adressverzeichnis bestätigt – es handelt sich bei der Lieferanschrift um die Anschrift von Freunden dieser Mitbewohnerin (die sich auch häufiger bei unserem Mandanten aufgehalten hatten).

Nun waren wir nur mit dem Abwehr der Forderung beauftragt, der Mandant wollte aber doch gerne Strafanzeige erstatten. Unsere Kosten konnte er aber nicht aus eigener Tasche finanzieren so dass nur zu raten blieb er möge die Anzeige selbst stellen.

Einige Tage später ist der Mandant bei mir in der Kanzlei und berichtet, er habe zwischenzeitlich mit dem Jugendamt gesprochen, von dort sei ihm mitgeteilt worden, man habe bereits mit der Minderjährigen gesprochen, und (ich traute meinen Ohren kaum) man empfehle auch von dort, auf gar keinen Fall die Anzeige zurück zu ziehen.

Abschließend überließ mir der Mandant eine Karte mit einer handschriftlich notierten Telefonnummer mit der Bitte, ich möge doch dort noch einmal anrufen, man habe noch ein paar Fragen.

Normalerweise würde ich so etwas nicht machen, die Geschichte mit der aufrechtzuerhaltenden Strafanzeige hatte mich aber stutzig gemacht. In einer freien Minute griff ich also zum Hörer.

Der Bearbeiter am anderen Ende war erfreut mich zu hören, hatte aber noch einige Fragen hinsichtlich der Lieferadresse und der von uns ermittelten Person. Eine Erteilung dieser Informationen erschien mir unbedenklich, ich wunderte mich aber doch über den eher forschen Ton des Sachbearbeiters – was konnte ein Jugendamtsmitarbeiter damit nur anfangen wollen? Also fing ich quasi reflexartig an, Bedingungen zu stellen.

Ich glaube ich habe so etwas gesagt wie „Und was hat unser Mandant davon?“ und dann noch etwas in die Richtung „Was bekomme ich, wenn ich das jetzt sage? Teilen Sie mir dann mit ob der Freund sich die Sachen hat liefern lassen?“ Gelinde Verwirrung am anderen Ende der Leistung.

Dann aber ein zögerliches, ein wenig klägliches „Sobald ich da etwas herausbekommen habe, teile ich Ihnen das natürlich gerne mit…“

Dann bat ich noch um Nennung eines Aktenzeichens, unter dem das Ganze dort geführt wird.

Und der Sachbearbeiter am anderen Ende beginnt: „20109….“

Peinlich, peinlich – aber so muss man wohl mit denen reden….

Ach ja, das Versandhaus nimmt unseren Mandanten nicht mehr in Anspruch.

RAKlenner

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