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Korrekturen

April 9, 2010

Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme erhielt ich das Protokoll der öffentlichen Sitzung.

Offensichtlich eine Rohfassung – den irgend jemand hat die Rechtsschreibfehler der Schreibkraft handschriftlich korrigiert.

Soweit, so unbedenklich.

Eine Stelle aber ließ mich stuzig werden. Maschinenschriftlich hatte der Zeuge ausgesagt „Ich stand etwa 3 Meter [von dem Geschehen] entfernt“ – die handschriftliche Korrektur machte daraus ein „Er [der Kläger] stand…“

Das ist insofern mißlich, als dass unser Mandant, der Kläger, eigentlich „mitten im Geschehen“ stand – was außerdem von der Gegenseite bestritten wurde.

Also das Gericht angeschrieben und um Klärung gebeten. Heute die Antwort der Richterin (sinngemäß):

„Es wird klargestellt, dass es heißen muss „Ich stand“. […] Nach Überprüfung des Tonbandes hat sich herausgestellt, dass ich seinerzeit diktierte hatte „Ich stand…“. Beim Korrekturlesen war ich davon überzeugt seinerzeit diktiert zu haben „Er stand…“. Ich bitte dieses Versehen zu entschuldigen.“

Wenn man bedenkt, dass  die Aussage des Zeugen völlig verdreht wurde und mir das möglicherweise nur deshalb aufgefallen ist, weil mir offenbar versehentlich die Rohfassung übersandt wurde, und weiter, dass es zumindest nach Löschung des Bandes äußerst schwierig wenn nicht unmöglich geworden wäre, das Gericht zu einer erneuten Zeugenvernehmung zu bewegen, gruselts einen wie leichtfertig in diesem Amtsgericht (nicht meinem heimischen) mit der Wahrheit umgegangen wird.

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