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Schwere Brandstiftung durch Pyro Cracker?

Juni 1, 2010

Der Mandant war angeklagt worden, weil er gemeinsam mit einem Mittäter dafür verantwortlich gewesen sein soll, einen sogenannten Pyro Cracker angezündet durch ein auf Kipp gestelltes Fenster in eine Wohnung geworfen zu haben. Hierdurch sollte eine Couch derart beschädigt worden sein, daß diese ein fingernagelgroßes Brandloch erlitt.

Derjenige, welcher den Pyro Cracker geworfen hatte, hatte sich dahingehend eingelassen, daß er eine Person in der Wohnung erschrecken wollte. Er habe es für ausgeschlossen gehalten, daß ein nennenswerter Schaden entsteht.

Die Anklage lautete aber nicht etwa auf Sachbeschädigung, sondern darauf, versucht zu haben, ein der Wohnung für Menschen dienendes Gebäude in Brand zu setzen, § 306 a StGB. Damit handelte es sich immerhin um ein Verbrechen, da das Gesetz (ohne die Strafmilderung durch den Versuch) bei der schweren Brandstiftung eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr vorsieht.

Nach Durchsicht der Ermittlungsakte war aus meiner Sicht bereits ausgesprochen fraglich, aus welchem Grund den Beschuldigten unterstellt wurde, in Kauf genommen zu haben, das Gebäude in Brand zu setzen. Anhaltspunkte hierfür ergaben sich nicht.

In der Hauptverhandlung wurde dann über Wikipedia noch in Augenschein genommen, welche typische Größe solch ein Pyro Cracker aufweist, welcher danach nur etwa doppelt so groß wie ein 50-Cent-Stück ist. Es haben sich auch keine Hinweise dafür ergeben, aus welchem Grund die Angeklagten ein Feuer hätten in Kauf nehmen sollen. Gleichwohl beantragte die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Jedes Kind wisse, daß von Böllern eine erhebliche Gefahr ausgehe. Dieses sei auch den Angeklagten bekannt gewesen.

Wenig verwunderlich war dann, daß das Jugendschöffengericht dem nicht gefolgt ist und die Angeklagten lediglich wegen der Sachbeschädigung verurteilt hat. Es bleibt allerdings die Frage, aus welchem Grund das Verfahren überhaupt wegen der versuchten schweren Brandstiftung angeklagt und eröffnet worden ist. Die hinreichende Wahrscheinlichkeit einer entsprechenden Verurteilung hat zumindest nach meinem Dafürhalten zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.

RA Müller

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