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Wenn Telefonieren arm macht…

August 3, 2010

Mein Mandant hatte sicherlich den Schock des Jahres bekommen: Als er die monatliche Handy-Rechnung öffnete, strahlte ihm dort eine fünfstellige Zahl entgegen. Sage und schreibe rund 75.000,- € sollte er für den letzten Monat zahlen. Online konnte der Mandant einsehen, daß für den laufenden Monat bereits weitere 5.000,- € angefallen waren.

Bei näherem Hinsehen ergab sich dann, daß dieser Betrag ganz überwiegend auf die Nutzung von GPRS-Diensten zurückgehen sollte. Innerhalb von 17 Tagen sollten mehr als acht Gigabyte an Daten heruntergeladen worden sein.

Der Mandant konnte sich dies schlichtweg nicht erklären. Insbesondere hatte er keine Dienste genutzt, welche mit einem erheblichen oder laufenden Datentransfer verbunden waren.

Ich habe mich also an den Netzbetreiber gewandt, Einwände gegen die Rechnung geltend gemacht und zunächst um Überprüfung der Rechnung und detaillierte Aufstellung der geltend gemachten Beträge gebeten.

Währenddessen grübelte mein Mandant bereits, wie er wohl verfahren würde, wenn die Gegenseite einen Vergleichsvorschlag unterbreiten würde. Und überhaupt: Auf welchen Betrag einigt man sich bei solchen Rechnungsbeträgen? Auf den Gegenwert eines Kleinwagens?

Nun erhielt ich die Antwort des Netzbetreibers: Die Einwände meines Mandanten seien nicht nachvollziehbar. Man habe die Rechnung sorgfältig kontrolliert und festgestellt, daß die dargestellten Verbindungen auch tatsächlich erfolgt seien. Beigefügt sei zudem eine Einzelverbindungsübersicht, welcher sich die konkreten Verbindungen entnehmen ließen.

Im Fließtext ging es dann überraschend wie folgt weiter:

Um die Sache kurzfristig zum Abschluß zu bringen, haben wir Ihrem Mandanten als Entgegenkommen die GPRS-Kosten von 76.058,36 € gutgeschrieben. Die GPRS-Kosten der laufenden Rechnung werden wir nach Rechnungserstellung ebenfalls gutschreiben.

Irgendwie überraschend angesichts des hohen Betrages. Die unkomplizierte Lösung läßt vermuten, daß die Abrechnung ganz so unangreifbar dann doch nicht gewesen wäre.

RA Müller

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13 Kommentare

  1. Weiß man denn, was schief gelaufen ist? Irgendwie müssen die 8 GB ja zustande gekommen sein.

    Außerdem: wenn man sich 8 GB per GPRS (!) zieht, geht man wahrscheinlich schon vor Rechnungserstellung zugrunde.


  2. Hat der Mandant denn zwischenzeitlich die Quelle der ungewollten Datenübertragung gefunden? Man weiss ja nie, wie oft der Netzbetreiber, das noch mitmacht 🙂


    • Die Quelle ist weiterhin unbekannt, allerdings ist das Handy gewechselt worden. Jetzt sind wohl keine entsprechenden Beträge mehr aufgetaucht.

      Mir ist bekannt, daß sich erhebliche Rechnungsbeträge ergeben haben, wenn ein Handy über lange Zeit als Navigationsgerät eingesetzt worden ist und kein dem gerecht werdender Tarif bestand. Dieses war vorliegend aber nicht der Fall.

      (Zudem hatte der Mandant zuhause eine Flatrate, so daß um so erstaunlicher ist, daß über das Handy 8 GB heruntergeladen worden sein sollen.)


  3. […] […]


  4. Ich tippe mal auf Telekom. Weniger als zwei Minuten (4,3 MB) GPRS Nutzung im Ausland kostete mich stolze 141,69€


  5. das Vorgehen der Anbieter kennt man doch. erst mal eine Rechnung stellen und wenn dann Widerspruch kommt, ist man „kulant“ und kommt entgegen. bei der Summe!. das allein spricht schon dafür, dass mit der Rechung etwas faul war.


    • Der Gedanke liegt in der Tat nahe. Und so ganz sicher, daß der Haken niemandem auffallen würde, war man dann wohl auch nicht.


  6. Musste das Handy denn öfter geladen werden? Nach meiner überschlägigen Berechnung können 8 GB bei GPRS in etwa 14 Tagen übertragen werden – sofern Idealbedingungen herrschen. Diese trifft man leider nicht oft an, so dass das Teil wohl permanent das Maximum durchgeladen haben müsste. Dabei steigt allerdings der Stromverbrauch exorbitant an – und: Der Mandant wäre nicht mehr erreichbar. Bei GPRS wird die Verbindung bei ankommenden Anrufen nämlich nicht getrennt. Das geht erst (praktisch) bei EDGE.

    Von daher: Konnte er noch angerufen werden und ging die Akkulaufzeit nicht ganz in den Keller, hätte man hierdrüber die Fehlerhaftigkeit der Rechnung erkennen können. Ob das im Rahmen des §45i IV TKG als Beweis ausreicht ist natürlich eine andere Frage.


    • Danke für den Hinweis; das merke ich mir für den nächsten derartigen Fall 🙂
      Wie konkret das Handy genutzt worden ist, ist mir nicht bekannt. Die Einzelheiten wollte ich mit dem Mandanten durchgehen, sobald der Einzelverbindungsnachweis vorliegt. Das hat sich jetzt wohl erübrigt.


  7. Da hat der Mandant Ihre Rechnung sicher gerne bezahlt.


    • Dank Rechtsschutzversicherung ist ihm auch die Rechnung erspart geblieben 😉


  8. In allen mir bekannten Fällen hat der jeweilige Netzbetreiber auf 90%-100% der Beträge verzichtet, sobald ein anwalt eingeschaltet worden ist. Auch bei kleineren Beträgen ist es also sinnvoll sein Glück zu versuchen… Meist haben die Kunden die Verbindungen tatsächlich getätigt – entweder aus technischer Unkenntnis, Versehen oder weil manche Geräte in der Grundeinstellung auch automatisch Verbindungen herstellen.


    • 10% hätten hier allerdings einen – für eine Telefonrechnung – immer noch recht stattlichen Betrag ergeben.



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