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Hat ein Verteidiger aufgegeben, wenn er in der 1. Instanz die Revision vorbereitet?

Dezember 3, 2010

Der Kollege Nebgen weist hier auf den „dilettantischen Unsinn“ hin, einem Verteidiger vorzuhalten, er gehe von einem Schuldspruch aus, wenn er sich in der 1. Instanz auf die Revision vorbereite.

Für Angeklagte ist das nicht stets nachvollziehbar.

Angeklagte werden sich häufig fragen, aus welchem Grund ihr Verteidiger jetzt bereits in Richtung Revision schielt. Wird die 1. Instanz in einem Debakel enden? Kann sich der Verteidiger nicht zunächst auf das Naheliegende, nämlich die 1. Instanz konzentrieren? Oder hat er die 1. Instanz bereits aufgegeben? Hält er den Angeklagten etwa selbst für schuldig und verteidigt nur „mit halber Kraft“?

In der Tat ist das alles Unfug. Die Revision wird in der vorherigen Instanz gewonnen.

Wer sich in der vorherigen Instanz nicht auf eine mögliche Revision vorbereitet, der steht in der Revision nicht selten mit leeren Händen dar.

Wer Beweisanträge in der ersten Instanz nicht stellt, der kann in der Revision nicht rügen, daß das Gericht den Anträgen nicht nachgegangen ist.

Wer keine Befangenheitsanträge stellt, der kann sich später nicht darauf berufen, daß die Anträge zu Unrecht abgelehnt worden sind.

Wer der Verwertung von herangezogenen Bweismitteln nicht rechtzeitig widerspricht, der ist damit in der Revision ausgeschlossen.

Die Aufzählung ließe sich fortführen…

Ein Verteidiger, der mit der Möglichkeit rechnen muß, daß eine Revision erforderlich ist, der hat gar keine andere Wahl: Er MUSS mit Blick auf die Revision verteidigen, wenn er seinen Mandanten nicht prozessual entwaffnen will.

Vor diesem Hintergrund kann es auch ausgesprochen unglücklich sein, sich zunächst von jemandem verteidigen zu lassen, für den Strafrecht böhmischen Dörfern gleicht, um erst dann – wenn es schiefgegangen ist – einen erfahrenen Strafverteidiger zu beauftragen. Es wird sich dann nicht mehr jedes eventuelle Versäumnis richten lassen.

RA Müller

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2 Kommentare

  1. […] worden, um die Frage, ob und wie der Instanzverteidiger an dei Revision denken soll (vgl. hier bei Kanzlei und Recht und hier beim Kollegen Nebgen). Beide sind im Grunde m.E. gar nicht so weit […]


  2. „Offensichtlich unbegründet“……..ist immer noch zu erreichen. Manchmal kann sich der Rechtsanwalt oder Pflichtverteidiger (was nicht immer das selbe sein muss, lol) durch eine gelungene Revisionsbegründung vom Vorwurf der erstinstanzlichen Ignoranz freisprechen. „Seht doch, ich habe schwerwiegende Anschuldigungen gegen das Urteil vorgebracht. Ich habe getan, was ich konnte….!“
    So war’s bei mir. Die Revisionsbegründung ist jetzt auch in der Galerie auf meiner HP.



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