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Die ermogelte Fristverlängerung?

Februar 4, 2011

Meine Mandanten waren mit dem außergerichtlichen Verhalten der Gegenseite alles andere als glücklich. Trotz entgegenstehender Rechtsprechung sperrte man sich mit fragwürdigen Argumenten gegen eine Zahlung.

Nach Erhebung der Klage meldete sich für die Beklagte eine auswärtige Anwaltskanzlei, die ankündigte, daß sich die Beklagte gegen die Klage verteidigen wolle.

Zum Ablauf der Klageerwiderungsfrist wurde dann erst einmal ein Fristverlängerungsantrag gestellt. Der die Sache bearbeitende Rechtsanwalt sei so überlastet, daß er auf die Fristverlängerung angewiesen sei.  

Die erste Fristverlängerung wird üblicherweise gewährt und so geschah es auch.

Kurz vor Ablauf der verlängerten Frist meldete sich dann ein Anwalt der Gegenseite bei mir. Der die Sache bearbeitende Kollege sei verhindert und habe noch keine Gelegenheit gehabt, sich mit dem Klageverfahren zu befassen. Ich möge dem Gericht daher mein Einverständnis mit einer weiteren Fristverlängerung bestätigen.

Nun neige ich grundsätzlich dazu, der Bitte eines Kollegen in solchen Dingen nachzukommen. Vorliegend hätten meine Mandanten dafür allerdings wenig Verständnis gehabt, so daß ich dem Kollegen erwiderte, eine solche Erklärung für meine Mandanten nicht abgeben zu können.

Der Kollege reagierte geradezu entsetzt. Dann müsse er die Sache jetzt ja selbst bearbeiten. Ob ich mir das auch gut überlegt hätte. Man sei ja sonst nicht so, würde dann aber im weiteren Prozeßverlauf keine Nachsicht zeigen.

Da es nicht unbedingt zu meiner Klagestrategie gehört, inständig auf nachsichtiges Verhalten der Gegenseite zu hoffen, zeige ich mich unbeeindruckt, obgleich die Wortwahl des Kollegen doch eher befremdlich war.

Bezeichnend war dann der nächste Schriftsatz, den das Gericht mit zustellte: Anstatt nun die Klageerwiderung zu fertigen, hatte der Gegner auf gut Glück einen weiteren Fristverlängerungsantrag gestellt. Bei seiner Mandantin seien umfangreiche Recherchen erforderlich, die sich im Rahmen der bisherigen Frist nicht hatten bewältigen lassen.

Seltsam, seltsam, daß der Kollege mir davon gar nichts gesagt hatte. Aber so läßt sich eine Fristverlängerung sicherlich leichter erhalten als mit dem erneuten Hinweis, daß man noch keine Zeit gefunden hatte, sich mit dem Klageverfahren zu befassen…

RA Müller

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9 Kommentare

  1. Es gibt eigentlich nur 2 Gründe auf einen zügigen Verfahrensablauf zu pochen: Entweder der Gläubiger braucht dringend das Geld, oder der Schuldner steht vor der Pleite.
    Ansonsten tickt die Zinsuhr zum Vorteil des Gläubigers. Bessere Konditionen kriegt er bei keiner Bank.


  2. Und die Beklagte IST eine Bank 😉


  3. Auch das schönste Mandat sollte einmal ein Ende haben


  4. PoBank? 😉
    (s.a. http://home.arcor.de/manfred.ullrich/postbank.htm )


  5. Wo ist denn das Problem? Ich denke, Anwälte werden fürs Lügen bezahlt? *duck und weg

    ;o))


    • Manche Mandanten denken das tatsächlich…


      • hier hat niemand gelogen! Die Bitte um Fristverlängerung beruht natürlich auf einer Tatsache. Denn irgendeine Recherche lässt sich immer finden. Vorliegend muss bspw. recherchiert werden, wie man die Frist verlängern lassen kann, obwohl die Gegenseite damit nicht einverstanden ist. das lässt sich halt nur mit einer Fristverlängerung bewerkstelligen…


  6. Sehr unkollegial Herr Kollege Müller, wenn der Kollege sie bittet dann verstehe ich Ihr Verhalten nicht.


    • Wenn Sie der Mandant gewesen wären, hätten sie es vielleicht eher verstanden…



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