h1

„Herr Anwalt, kümmern Sie sich bitte selbst darum, wie Sie ihr Geld bekommen“

März 7, 2011

Ein potentieller Mandant rief in einer Strafsache an. Er habe einen Anhörungsbogen erhalten und benötige dringend meine anwaltliche Hilfe, da der Vorwurf absolut nicht der Wahrheit entspreche und er sich anwaltlich dagegen verteidigen wolle. Es entwickelte sich sinngemäß folgendes Gespräch:

Mandant: „Ihre Kosten holen Sie sich bitte vom Amtsgericht. Ich habe kein Geld für einen Anwalt, so daß die Beratungshilfe das zahlen muß.“

RA (mißtrauisch geworden): „Dann gehen Sie doch bitte vorher zum Amtsgericht und lassen sich einen Beratungshilfeschein aushändigen.“

Mandant (zögernd): „Nein, das müssen Sie machen.“

RA (jetzt definitiv mißtrauisch): „Aha?“

Mandant (drucksend): „Ja, ich war da schon und die haben mir gesagt, daß mein Einkommen zu hoch ist für Beratungshilfe. Ich kann aber keinen Anwalt bezahlen. Das mit der Beratungshilfe müssen Sie also machen.“

Klar. Wenn ich das Amtsgericht anschreibe, wird dem Mandanten bei unveränderten Einkommensverhältnissen die Beratungshilfe natürlich sofort bewilligt.

/Sarkasmus Ende

RA Müller

Advertisements

7 Kommentare

  1. Immer wieder faszinierend, was manche (eher nicht potentielle) Mandanten sich so denken.


  2. Wobei ich mich im Bedarfsfall auch am liebsten von einem Anwalt verteidigen lassen würde, der es schafft sich sein Geld vom Amtsgericht zu holen, obwohl die Beratungshilfe begründet abgelehnt wurde. Der hat’s dann nämlich sicher drauf…


    • Man mag allerdings auch überlegen, ob es nicht eher für mangelnde Intelligenz des Anwalts spricht, ein solches Mandat ohne Vorschuß anzunehmen 😉


  3. Lautet der Vorwurf in dem Anhörungsbogen auf Betrug oder etwas Ähnliches? 😉


  4. Wobei es aber auch immer öfter ungerechtfertigte Ablehnungen von Beratungshilfeanträgen gibt. Hier stehen die Betroffenen leider nicht selten vor der Schwierigkeit, dass kein Anwalt sie dabei unterstützen will ihr Recht einzufordern. Nach der erfolglosen Rechtspflegererinnerung bleibt halt nur noch der Weg zum BVerfG und hier wird der Anwalt dringend benötigt.

    Als ehrenamtlicher Sozialberater hatte ich hier schon die absurdesten Argumentationen von Rechtspflegern auf dem Tisch.


    • Ja, davon kann man allerdings auch als Anwalt ein Lied singen.



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: