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Das „Dann-doch-lieber-nicht“-Mandat

April 4, 2011

Es gibt Mandate, bei denen ist man direkt froh, sie nicht zu erhalten. So rief ein potentieller Mandant in einer Strafsache an.

Ich möge bitte Einspruch gegen einen Strafbefehl einlegen, der absolut ungerecht sei. Unser Rechtsstaat solle sich schämen, daß er so etwas zulasse. Da seien dem Mandanten doch tatsächlich für Körperverletzung und Beleidigung 30 Tagessätze zu je 10,- € auferlegt worden. Das müsse ich mir einmal vorstellen. Dabei sei doch erst neulich eine Frau nur zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden, obwohl sie einen anderen Menschen umgebracht habe! Vergleiche man die Körperverletzung und Beleidigung damit, so sei doch für jeden offensichtlich, daß 30 Tagessätze deutlich überhöht seien. Das passende Argument hatte der Anrufer auch gleich parat:

„Zu der Zeit, als ich noch nicht geboren war, hätte niemand etwas daraus gemacht.“

Na, wenn das dén Richter nicht überzeugt…

Aber der Mandant schilderte dann auch gleich weitere Umstände, die das angediente Mandat immer attraktiver erscheinen ließen: Geld habe der Mandant nämlich auch keines. Aber als fähiger Strafverteidiger sei es doch sicher ein Leichtes, einen Freispruch zu erzielen. Dann würde mein Honorar doch ohnehin der Staat tragen.

Ob der Anrufer überrascht war, daß ich die Mandantsannahme dankend abgelehnt habe? Bei den Voraussetzungen dürfte es ihm schwer fallen, einen Dummen Verzweifelten zu finden, der ihn zu diesen Bedingungen verteidigt.

RA Müller

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5 Kommentare

  1. Steht soeine Strafe eigentlich später im Führungszeugnis? Dann könnte ich die Aufregung des Mandanten noch verstehen. Ansonsten Schlamm drüber, zahlen und vergessen bzw daraus lernen.


    • Mangels anderer Eintragungen: Kein Eintrag im Führungszeugnis.


  2. Manchen Menschen ist das „Führungszeugnis“ allerdings auch auf die Stirn geschrieben…


  3. Wenn man kein Geld hat und einen Anwalt braucht, gibt es da keine finanzielle Hilfe?

    Außerdem lohnt es sich ja fast kaum. 10 € á 30 Tage macht 300 €; wenn ich mich an meine Aushilfskraftzeit richtig erinnere, sind das gerade mal zwei Anwaltsbesuche…


    • Im Strafrecht gibt es leider keine Prozeßkostenhilfe. Zwar gibt es den Pflichtverteidiger. Dessen Beiordnung hängt jedoch NICHT damit zusammen, ob der Angeklagte sich einen Verteidiger leisten kann. Weiterhin wird der Pflichtverteidiger zwar zunächst aus der Staatskasse bezahlt. Wird der Angeklagte verurteilt, ist die Staatskasse aber eifrig bemüht, auch die Verteidigerkosten von ihm einzufordern.



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