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Die Welt ist klein

April 7, 2011

Ein Mandant ruft mich an. Sein Rechtsschutzversicherer hatte ihm in einem angestrebten Klageverfahren mitgeteilt, daß der Schadenfall vorvertraglich sei und sie daher keine Deckungszusage erteilen könne. Er fragte also nach, wie ich das Risiko einschätze. Glücklicherweise handelt es sich um einen Verfahren, das der Mandant fast nicht verlieren kann. Auch ist der Gegner bekanntermaßen zahlungsfähig, so daß von einem Risiko kaum gesprochen werden kann.

Daraufhin teilt mir der Mandant mit, daß er ja nur gefragt habe, weil er mit dem Rechtsstaat bereits unschöne Erfahrungen gemacht habe. Gerade aktuell würden er und sein Haftpflichtversicherer wegen eines Verkehrsunfalles verklagt werden. Die Sache sei eigentlich glasklar und den Gegner treffe die alleinige Schuld an dem Unfall, aber das Gericht sehe die Schuld wohl bei ihm, so daß ihm nun eine Verurteilung drohe.

Bei den Angaben zum Unfallhergang fiel dann bei mir der Groschen, so daß ich dem Mandanten eröffnen durfte, daß ich derjenige Anwalt bin, der die Klage wegen des Verkehrsunfalles eingereicht hat.

Der Mandant nahm es gelassen 🙂

RA Müller

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11 Kommentare

  1. Und sie sehen keine Interessenkollision darin, einen Mandanten zu vertreten, den Sie gleichzeitig in einem anderen Verfahren verklagen?


  2. @Falbala146:
    »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«.


  3. Tja, das Leben kann schon tückisch sein! *gg


  4. Sie sehen mich ebenso überrascht wie Falbala…. jedenfalls – schlicht weil die Infos aus dem einen Mandat und in der dortigen Schweigepflicht gerahmt solche sein können, die bei Interessenwahrnehmung des Gegners in der anderen Angelegenheit uU zu dieser in der Kollision der Nutzung und des Schutzes aus der Schweigepflicht kollidieren können. Der böse Schein ? Hingegen spricht weniger dagegen, wenn man – NACH Abschluss eines Mandates – den dann ehemaligen Gegner in anderen Angelegenheiten veträte.


    • Seien Sie versichert: Die Mandate haben keine Berührungspunkte.

      Ich hätte übrigens kein Mandat angenommen in umgekehrter Konstellation: Erst verklagt der A den B, dann der B den A. Auch wenn es sich um einen anderen Sachverhalt handeln würde, hätte ich damit ein Problem.

      Aber wo ist eine auch nur mögliche Interessenkollusion, wenn ist erst für A den B verklage und in einem anderen Verfahren für B den C?
      Mal ganz abgesehen davon, daß mich der Mandant beauftragt hat in dem neuen Fall, nachdem ich ihn in dem anderen Fall verklagt hatte (auch wenn ihm das wohl nicht aufgefallen war)…


      • Nehmen wir mal folgendes an: In dem Mandant A gegen B ist eine Zwangsvollstreckung erforderlich. Aus dem Mandat B gegen C wissen Sie, dass B in Kürze Summe X erhält.

        Und nun? Das wäre die Konstellation, die mich von dem Mandat abhalten würde.


        • Interessante Einwand, der mich etwas zum Grübeln brachte, aber hier nicht einschlägig sein dürfte:

          Das Mandant A vs Bbetrifft einen Verkehrsunfall, bei dem die Haftpflicht ebenfalls verklagt worden ist, so daß zumindest gegen B keine ZV betrieben werden müßte.

          Das Mandant B vs C wird zum einen mit Sicherheit Erfolg haben, zum anderen ist es durch eine RSV abgedeckt, so daß ich auch wegen meiner Gebühren nicht an meinen Mandanten werde herantreten müssen.


  5. Tja..so ist das Leben nun mal 😉


  6. Nun ja, alleine der Gedanke, dass man in einem noch nicht abgeschlossenen Verfahren eine „Beißhemmung“ gegen einen Beklagten haben könnte, der außerdem ein eigener Mandant ist, legt ja eine Interessenkollision nahe. Ehrlich gesagt bin ich eher erstaunt, wie man da keine Interessenkollision sehen kann.


    • Beißhemmung? Harr Harr *zähnefletsch*

      Im Ernst: Beide Verfahren beinhalten keine (höchst-)persönlichen Vorwürfe und mit sachlichen Argumenten halte ich sicherlich in keinem der Verfahren zurück 🙂



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