h1

Nein, das kann nicht jeder

April 21, 2011

Verkehrsrecht kann doch jeder, oder?“ fragte kürzlich Kollege Melchior und hat die wohl eher rhetorische Frage dann auch gleich selbst beantwortet und einen Fall geschildert, bei dem der Mandant von einem (anderen) Rechtsanwalt denkbar schlecht beraten worden war.

Von derlei Fällen kann man ein Lied singen, wenn man häufiger Verkehrsunfälle bearbeitet.

Da wäre etwa der Anwalt, der meiner späteren Mandantin nach einem Unfall mit erheblichem Dauerschaden erzählt hatte, daß Haushaltsführungsschaden nicht geltend gemacht werden könne. Ob das tatsächlich seine irrtümliche Rechtsauffassung war oder er vertuschen wollte, über Jahre hinweg den Schadensersatz zulasten der Mandantin nicht geltend gemacht zu haben, sei dahingestellt. Jetzt diskutiere ich jedenfalls mit dem Versicherer munter, in welcher Höhe (und nicht ob) der Schaden zu ersetzen ist.

Aber nicht nur manche Anwälte sollten – jedenfalls im Interesse ihrer Madnanten, oft aber auch im eigenen Interesse – von solchen Fallgestaltungen wohl besser die Finger lassen. Einem meiner Mandanten hatte die Werkstatt seines Vertrauens bei einem ersichtlich unverschuldeten Unfall geraten, den erforderlichen Sachverständigen durch den gegnerischen Versicherer auswählen zu lassen. Sonst müsse er den Gutachter selbst bezahlen.

Solch ein Unfug sollte dem Verantwortlichen eigentlich die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen.

Was war die Folge? Spitz auf Knopf wurde der Schaden von dem Versicherungs-Gutachter zu einem Totalschaden gerechnet, wobei natürlich die teuren Kosten einer Markenwerkstatt angesetzt wurden, damit auch ja ein Totalschaden erreicht wird.

Selbstverständlich wurde der Restwert auch nicht dem regionalen Markt entnommen.

Glücklicherweise läßt sich das mit dem Totalschaden noch zugunsten des Mandanten wenden, auch wenn das nicht das Verdienst der Werkstatt des Vertrauens ist…

RA Müller

Advertisements

7 Kommentare

  1. Sehr schön: „die teuren Kosten einer Markenwerkstatt angesetzt“ – was natürlich üüüberhaupt nicht in Betracht kommt, falls es um einen Reparaturfall geht – und schon gaaar nicht fiktiv. 😉


    • Besonders bezeichnend war, daß die Stundenlöhne der Werkstatt, in der das Fahrzeug zwecks späterer Reparatur stand, niedriger waren…


  2. Gibt es eigentlich für Laien einen Richtwert, ab wann die Kosten für einen Rechtsanwalt von der gegnerischen Versicherung übernommen werden?

    Man kann ja schon bei deutlich geringeren Schäden gegenüber Versicherungen ins Hintertreffen geraten.


    • Persönlich habe ich noch nie einen Fall gehabt, bei dem – auch bei niedrigen Schäden – der gegnerische Versicherer meine Gebühren nicht nach dem Betrag gezahlt hat, den er geleistet hat. Bei Schäden deutlich unter 1.000,- € ohne Besonderheiten (Totalschaden, Nutzungsausfall etc.) mag indes ein gewisses Risiko bestehen.


      • Wecken Sie bloß keine schlafenden Hunde! 😉


  3. Meine Güte kam die Antwort schnell, Hut ab!
    Vielen Dank, das beruhigt ein wenig. Die eigene RS-Versicherung will man ja auch nicht beanspruchen wenn es nicht unbedingt nötig ist.


    • Reiner Zufall, war gerade aufgestanden 😉



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: