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Wenn es so gewesen ist, dann war das so

Juni 10, 2011

Über ein Jahr hatte das Ermittlungsverfahren gedauert. Der Anzeigeerstatter warf meinem Mandanten vor, erhaltene Bargeld-Beträge nicht weitergeleitet zu haben. Versicherungsprämien seien hierdurch nicht gezahlt worden. Es folgte ein Schadenfall und der Anzeigeerstatter erhielt den Schaden iHv ca. 40.000,- € von dem Versicherer nicht ersetzt.

Also belastete er meinen Mandanten. Ihm habe er die Prämien zur Weiterleitung gegeben.

Es wurde ungehemmt ermittelt und auch schon einmal bei dem Arbeitgeber des Mandanten angefragt, ob es sonst irgendwie zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei, welches der Arbeitgeber souverän abblockte.

Nun folgte die Hauptverhandlung: Verschiedene Zeugen brachten die Version des Anzeigeerstatters ins Wanken. Er selbst war von der Polizei gleich mehrfach vernommen worden und seine Aussagen widersprachen sich in zahlreichen Einzelheiten. In der Hauptverhandlung war die liebste Bemerkung des Zeugen sinngemäß:

„Das weiß ich jetzt nicht mehr genau. Ich bin heute unvorbereitet. Wenn es so gewesen ist, dann war das so.“

Diese oder ähnliche Antworten folgten auf nahezu alle Fragen an den Zeugen, bei denen er Details hätte schildern (und sich damit in Widerspruch zu vorherigen Aussagen hätte setzen) können. Pikant war insbesondere, daß der Versicherer ihm wegen der nicht gezahlten Beiträge nicht nur zahlreiche Mahnungen geschickt hatte. Nein, auch Mahn- und Vollstreckungsbescheid waren dem Anzeigeerstatter zugestellt worden, ohne daß er dagegen vorging.

Als ich den Zeugen dann trotz der ausweichenden Antworten bei einer Unwahrheit ertappen konnte, war es dann endgültig vorbei. Der Richter wies darauf hin, daß ich die weitere Befragung sein lassen könne. Es folgte ein Freispruch.

Selbst die Staatsanwaltschaft, deren Ermittlungen einen ausgesprochen voreingenommenen Eindruck machten, hatte den Freispruch beantragt und in der Verhandlung nicht nur meinen Mandanten, sondern auch die Zeugen kritisch befragt.

Für den Mandanten bleibt die Erkenntnis, wie leicht es ist, Beschuldigter in einem Strafverfahren zu werden.

RA Müller

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