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Zögerliche Schadenregulierung? Mitnichten!

Juni 17, 2011

In der Rechtsprechung zum Schmerzensgeld ist anerkannt, daß eine „zögerliche Schadenregulierung“ zu einem Aufschlag auf das zu zahlende Schmerzensgeld führen kann. Ein solcher Fall liegt etwa vor, wenn der Versicherer trotz eindeutiger Haftungslage keine oder einen offensichtlich viel zu geringen Schmerzensgeldbetrag zahlt (vgl. auch die Darstellung hier).

In einem Klageverfahren vertrete ich nun den Haftpflichtversicherer, dem der Kläger ein solches zögerliches Regulierungsverhalten vorwirft und hierdurch ein höheres Schmerzensgeld erreichen will.

Der Unfall hat sich bereits Mitte 2007 ereignet, die Klage ist erst Mitte 2011 erhoben worden.

Das klingt zunächst einmal in der Tat sehr zögerlich.

Allerdings hatte der Versicherer bereits Mite 2008 vorsorglich darauf hingewiesen, keinen Zusammenhang zwischen dem Unfall und den weiteren, von dem jetzigen Kläger gestellten Beschwerden zu sehen.

Hierauf reagierte der anwaltlich vertretene Kläger erst ein Jahr später, wobei er darauf hinwies, eine Deckungszusage seines Rechtsschutzversicherers erhalten zu haben und daher das Kostenrisiko eines Klageverfahrens nicht zu scheuen. Der Versicherer möge sich überlegen, nun doch zu zahlen.

Der Versicherer überlegte und … lehnte gerade einmal eine Woche später die Regulierung (erneut) ab, zumal selbst der behandelnde Arzt des Klägers schriftlich bestätigt hat, keinen Zusammenhang zwischen dem Unfall und den späteren Beschwerden des Klägers zu sehen.

Immerhin bereits knapp zwei Jahre später erfolgte nun die Klageerhebung.

Unabhängig von den sonstigen Argumenten, die gegen die Klage sprechen, ist man doch mehr als verwundert, daß ausgerechnet der Versicherer die Regulierung verzögert haben soll…

RA Müller

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4 Kommentare

  1. Naja, der Versicherer hat doch gezögert – auf die ersichtlich unbegründete Forderung zu reagieren, oder? 😉


    • Och, reagiert hat er eigentlich ganz zügig. Aber die Reaktion war wohl nicht ganz die erhoffte 😉


  2. Oh, jetzt vertreten Sie den „armen“ Versicherer? Vor nicht allzu langer Zeit war es das „arme Mütterchen“.

    Rechtsanwälte sind Wendehälse. Sind sie wirklich. Und das ist auch gut so.

    Woher könnte man sonst das erforderliche „Mietmaul“ bekommen? Schliesslich muß man über 5.000 Euro Streitwert beim Landgericht ein solches Mietmaul engagieren – ob man will oder nicht. Man hat keine Wahl. Dann doch lieber eines, was die eigene Position willig und im Brustton der Überzeugung verkündet, als ein solches, was das nur widerwillig und ohne Blog macht.


    • Warum soll nicht auch ein Versicherer Recht/recht haben? Wäre es nicht sogar äußerst fragwürdig, stets „im Brustton der Überzeugung“ gegen jedweden Versicherer zu wettern?
      Wie so oft läßt sich die Welt (leider?) nicht einfach in Schwarz und Weiß einteilen…



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