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normale Kabel, so wie Sie und ich

Oktober 5, 2011

Hier hatte ich schon einmal über eine Kollegin berichtet, die – sagen wir mal – in Verfahren recht eigenwillig vorträgt.

Heute ein anderes, aber vergleichbares Verfahren.  Gestellt wurden diverse Anträge betreffend Ansprüche auf Mängelbeseitigung im Rahmen eines Mietverhältnisses.

Neben diversen anderen Punkten beantragte die Kollegin, der beklagte Vermieter solle verurteilt werden, die Elektroleitungen, welche bisher angeblich durch Klingeldraht realisiert seien, durch „normale Kabel“ zu ersetzen.

Meine Frage dazu, was den in diesem Zusammenhang „normale“ Kabel seien, wurde beantwortet wie folgt: „Normale Kabel? Normale Kabel halt, wie Sie und ich. Wie Sie und ich, Herr Kollege. Normale Kabel.“

Und das ist nur EIN Beispiel – die gesamte Verhandlung bietet Stoff für mindestens fünf Blogeinträge.

Ich halte ja eigentlich die Anforderungen an die Prüflinge in den juristischen Staatsexamina für eher (zu) hoch – hier hat aber offenbar jeglicher Schutzmechanismus versagt.

P.S.: Der Richter wirkte dann darauf hin, dass formuliert wurde „geeignete Kabel gem. VDE“.

RA Klenner

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7 Kommentare

  1. „gem. VDE“.- deutlich schöner formuliert – aber im Zweifel wohl ebenso wenig vollstreckungsgeeignet. Zwischen VDE 0207 und VDE 0299 gibt es da so einige Möglichkeiten … 😉

    Aber das ist dann ja das Problem des Kollegen mit dem Kurzen Kabel – so er denn obsiegen sollte. 😉


  2. Oder ganz bequem WLAN-Kabel? 😉

    Üblicherweise nutzt man im Sprachraum des VDE bei Elektroinstallationen innerhalb des Hauses von „Leitungen“ und spricht nur z.B. bei vorhandener Isolierung für die Erdverlegung von „Kabel“.

    http://forum.electronicwerkstatt.de/phpBB/Grundlagen/definitionsfrage_kabel_leitung-t60165f26_bs0.html


  3. Wie? Dann sind wir alle gar keine Kabel?^^


  4. Strom (so richtig 230V für das Haus?) durch Klingeldraht? Ich will Fotos ^^


  5. Bei Klingeldraht wäre das Haus wohl schon längst abgebrannt.
    Wahrscheinlich sind es einfach nur alte Stegleitungen. Die sind zwar verboten, aber die alten Installationen haben Bestandsschutz (ich glaube, außer auf Holz). Aber ich bin kein Fachmann.


  6. Ich bin in der Sache – Gott sei Dank – nur Unterbevollmächtigter gewesen. Aber (quod non est in actis, non est in mundo) behauptet war Klingeldraht und es ist nicht bestritten worden. Also geht das Gericht – und auch ich – davon aus, dass da ursprünglich Klingeldraht verwendet wurde.


  7. @ moep:
    Die 230 Volt sind nicht das Problem, ggf. aber die Stromstärke.



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