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Das Freud und Leid des Versicherungsnehmers

November 14, 2011

Nicht nur im Verkehrsrecht kann Otto-Normal-Verbraucher Versicherern „ausgeliefert“ sein. Vorliegend hatte sich unter dem Haus des Mandanten ein Rohrbruch ereignet, dessen Beseitigung erhebliche Kosten verursachen würde. Aber „Glück im Unglück“, dachte sich der Mandant, schließlich war er genau gegen Rohrbruch versichert.

Der Versicherer schickte dann auch einen „Sachverständigen“, der wiederum einen weiteren „Sachverständigen“ einschaltete. Danach herrschte Schweigen im Walde, obgleich die Ausführungen des Sachverständigen dem Versicherer längst vorliegen sollten.

Erst auf ein anwaltliches Schreiben hin erfolgte eine Zahlung durch den Versicherer. Da – wie bei Gebäudeversicherungen üblich – der Vertrag auf einen Wert nach „Goldmark 1914“ verweist, war zur Ermittlung des Auszahlungsbetrages eine Umrechnung in Euro v0rzunehmen. Weder erläuterte der Versicherer, wie er den Zahlbetrag ermittelt hatte, noch war der ausgezahlte Betrag für den Mandanten und mich nachvollziehbar.

Auf ein erneutes anwaltliches Schreiben erfolgte dann auch eine Nachzahlung durch den Versicherer. Versehentlich habe man einen unzutreffenden Umrechnungskurs angesetzt. Man bitte um Entschuldigung.

Nun könnte man meinen, die Angelegenheit sei damit erledigt.

Aber von wegen… 

Es folgte ein Schreiben des Versicherers, der jetzt auf der Rückzahlung des insgesamt geleisteten Betrages bestand. Bei Durchsicht des Schadenberichtes des Sachverständigen sei aufgefallen, daß die dem Rohrbruch zugrunde liegende Schadenursache gar nicht versichert sei. [Wie es in Versicherungsbedingungen häufig der Fall ist, war nämlich der Schadensfall, hier der Rohrbruch, zwar grundsätzlich versichert, wenn denn nicht eine von zahlreichen, teils verschachtelten Ausnahmen vorliegt…]  

Der Schadenbericht, auf den sich der Versicherer stützte,  war dem Rückforderungsschreiben selbstverständlich nicht beigefügt worden, so daß ich zwecks Prüfung um Übersendung bat.

Wenig später erhielt ich den Bericht dann auch, dieses verbunden mir der Bitte, meine Mandantin nun dazu anzuhalten, den geschuldeten Betrag möglichst unverzüglich zurückzuzahlen.

Nach meiner Lesart ergab sich aus dem Schadenbericht allerdings gar nicht eindeutig, welche Schadenursache zu dem Rohrbruch geführt hatte. Der Bericht ließ allenfalls zu, daß man Vermutungen in die eine oder andere Richtung anstellte. Sofern eine Aufklärung der Schadenursache überhaupt noch möglich war, wäre dieses meiner Einschätzung nach mit einem ganz erheblichen weiteren (Kosten-)Aufwand verbunden.

Auf ein erneutes anwaltliches Schreiben erklärte der Versicherer nun, von der Geltendmachung des Rückforderungsanspruches absehen zu werden. Die Angelegenheit sei dort abgeschlossen.

Ich habe leise Zweifel, daß der Ablauf ohne Einschaltung eines Anwaltes ebenso gewesen wäre.

RA Müller

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4 Kommentare

  1. Und jetzt bleibt es bei dem falsch gezahlten Betrag und die Versicherung hat quasi was sie ursprünglich wollte oder haben Sie die Korrektur durchbekommen?


  2. *der Versicherer *hust*


    • Der Versicherer hatte den korrigierten Betrag bereits nachbezahlt, hat also im Ergebnis doch alles bezahlt und grummelnd auf die Rückzahlung verzichtet.


  3. Naja die meisten wissen es ja schon:
    Versicherungen sind Verbrecher. Sie verzögern, verunsichern, lügen, versuchen dass der Versicherte einfach keinen Bock mehr hat bzw kein Geld für den Anwalt.

    Siehe AXA; für die Opfer von der Loveparade: 500 Euro!!! Für einen toten Menschen!
    Wenn ich die Katze vom Nachbarn erschießen würde, wäre es bestimmt mehr.

    Wenn die Familie was dafür könnte, dass ihr Vater/ihre Mutter bei solch einer „Versicherung“ arbeitet, würde ich sagen: „Hier 500 Euro. Welches Kind soll ich erschießen?“ Vielleicht würde den Leuten dann klar werden, was sie da veranstalten.



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