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Vorsicht: Dramatisierte Fassung

Dezember 28, 2011

Das Gedächtnis ist ein merkwürdiges Ding. So neigt es angeblich dazu, Vergangenes nachträglich mit einem goldenen Glanz zu versehen, den man seinerzeit – als man das Erinnerte erlebte – so gar nicht wahrgenommen hatte.

Aber auch das Gegenteil scheint der Fall zu sein, so daß bisweilen Ereignisse mit zunehmendem Zeitablauf immer dramatischer erinnert werden – dies zumindest, wenn ein Anspruch auf Zahlung von Schmerzensgeld im Raum steht, natürlich ohne daß hier ein kausaler Zusammenhang auch nur angedeutet werden soll.

So berichtete etwa ein Geschädigter der Polizei nach einem Verkehrsunfall, daß er wegen eines Schock-Zustandes nach dem Vorfall gleich aufgestanden und seine Fahrradfahrt fortgesetzt habe.

In seiner späteren schriftlichen Zeugenaussage kling das dann ganz anders: Bitterlich beschwert er sich darüber, daß ihm trotz seiner Verletzungen niemand geholfen habe.

Die verschiedenen unabhängigen Zeugen schildern übrigens eine dritte Variante: Hilfsangebote habe der Geschädigte ausgeschlagen, sei einfach auf sein Fahrrad gestiegen und weggefahren.

Man mag nur vermuten, welche Aussage man von dem Geschädigten erhalten würde, sollte er ein drittes Mal aussagen müssen. Ob seine Erinnerung ihm dann vorgaukeln würde, daß man ihn aktiv daran gehindert hatte, Hilfe zu erhalten?

RA Müller

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