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90-jährige im Erotik-Kaufrausch?

Januar 9, 2012

Die Mandantin soll über das Internet Erotik-Angebote wahrgenommen haben. Hierdurch sollen Kosten von immerhin knapp 2.000,- € entstanden sein.

Die Mandantin ist indes 90 Jahre alt und bestreitet vehement, jemals solche Dienste in Anspruch genommen zu haben. Sie nutze das Internet auch gar nicht selbst. Überhaupt wisse sie über das Internet ebenso viel wie über Raketenwissenschaft, was meiner Einschätzung nach eher wenig sein dürfte.

Aber siehe da: Der große Unbekannte, der die Verträge geschlossen hatte, hatte eine E-Mail-Adresse angegeben, über die der Vertragsschluß bestätigt werden mußte. Die E-Mail-Adresse beinhaltet doch tatsächlich seinen Vor- und Nachnamen. Und – so etwas aber auch – eine Person dieses Namens wohnt tatsächlich im Haus der Mandantin.

Diese Person hat dann auch (reumütig und mit hochrotem Kopf) eingeräumt, bei Vertragsschluß unberechtigt den Namen der Mandantin angegeben zu haben.

Der Anspruchstellerin habe ich also den obenstehenden Sachverhalt sowie den Namen und die Anschrift des Verantwortlichen mitgeteilt.

Aber kümmert das die Anspruchstellerin? Nein, weit gefehlt. Vielmehr sah sich das von dort beauftragte Inkassounternehmen genötigt, mir wiederholt zu erläutern, auf welche Weise ein Vertrag im Internet geschlossen wird.

Den Mumm, endlich eine Klage einzureichen, besitzt man indes nicht. Dazu müßte man schließlich nicht nur einige Briefmarken investieren, sondern Gerichtskosten einzahlen. Angesichts des Kostenrisikos scheint der Anspruchstellerin ihre außergerichtlich so vehement vertretene Rechtsauffassung, daß die alte Dame in jedem Fall die Rechnungen bezahlen müsse, doch nicht ganz geheuer zu sein.

RA Müller

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4 Kommentare

  1. Immer diese sexgeilen Vorhunderter. Können die das nicht beim Bridge-Abend ausleben? Müssen die wirklich das Netz mit so versauten Eskapaden belasten? Und deswegen ist mein Facebook so langsam! Also wirklich!


    • Ja, was die „Datenkrake“ nicht so alles verlangsamen kann… 😉


  2. Gibt es da keine andere Möglichkeit sich solche sehr seriösen Inkasso-Firmen vom Hals zu schaffen? Kann man denen nicht einfach ein Kontaktverbot oder ähnliches erteilen und dann gemütlich auf die Gerichtsverhandlung warten?

    mfG


    • An ein Kontaktverbot müssen die sich leider nicht halten. Mann kann natürlich selbst Klage einreichen, da sich die Gegenseite „eines Anspruches berühmt“. Dies ist allerdings idR von Rechtsschutzversicherern nicht abgedeckt, so daß sich viele dann nicht dazu durchringen. Man muß sich dann – auch bei guten Erfolgsaussichten – stets fragen, ob bei der Gegenseite die Kosten wieder hereinzuholen sind, die Gegenseite also überhaupt vollstreckbar ist…



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