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Richter, Anwälte und Inkassounternehmen im Fernsehen – Alles andere als „Reality-Show“

März 28, 2012

Ach welch „herrliche“ Sendungen haben wir doch dem Privatfernsehen zu verdanken. Auf die nachmittäglichen TalkShows, in denen man das Niveau nicht nur mit der Lupe suchen durfte, sondern bei denen von den anwesenden Gästen vermutlich nur ein Bruchteil das Wort fehlerfrei buchstabieren konnte, folgten die „Gerichtsshows“.

In einer Art und Weise, bei der zumindest Juristen die Augen verdrehen dürften, wurden Gerichtsverhandlungen dargestellt, deren Ausgestaltung weit von der Realität entfernt ist. Das fing an mit  dem Verhalten der Verfahrensbeteiligten und endete damit, daß bei den Gerichtsshows die Ermittlungsbehörden offensichtlich allesamt unfähig waren, so daß erst im Gerichtssaal die eigentliche Ermittlung und Aufklärung anhand der bislang wohl eher dünnen Aktenlage erfolgte. Die Selbstwahrnehmung der Beteiligten, nach der man dem Zuschauer mit diesen Sendungen auf eine leicht zu verstehende und unterhaltsame Art und Weise Recht und Justiz näherbringt, spricht für sich.

Hinzu kamen Sendungen über Rechtsanwälte, die manchen Zuschauer zu dem Glauben verleiten könnten, eine richtige Anwaltskanzlei habe ein eigenes Ermittlungsteam, das stets Gewehr bei Fuß steht, um den Gegner zu beschatten und auf frischer Tat zu ertappen.

Dieses Potpourri wurde nun ergänzt um eine Sendung über Inkassounternehmen, die nicht nur StuttgartInkasso wenig Begeisterung entlockt. Berichtet wird von Inkasso-Eintreibern, die wohl alles andere als zimperlich vorgehen. Ich fühle mich an einen Mandanten erinnert, der meinte, mit dem rechtskräftigen Titel (!) keinen Gerichtsvollzieher losschicken zu müssen. Er werde einfach ein Inkassounternehmen beauftragen. Das würde dann Männer in dunklen Wagen vorfahren lassen und dem Schuldner gehörig Angst einjagen.

Ich sehe ein: Fernsehen kostet Geld. Ich sehe auch ein: Derartige Formate dürften relativ billig sein. Es fällt mir allerdings schwer nachzuvollziehen, warum sich eine relevante Anzahl an Zuschauern diese vermeintlich wirklichkeitsnahen Sendungen antut.

RA Müller

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7 Kommentare

  1. Weil die Zuschauer dumm sind…


  2. Vermutlich stand in den Leihverträgen für die Baumaschinen „Repossession bei Zahlungsverzug nur nach US-Recht wie in Texas; Anwendung des neuen EU-Rechts ist ausgeschlossen!“. 😉
    http://www.kabeleins.de/tv/geldeintreiber-gnadenlos-gerecht/videos


  3. Das liegt daran, dass ein erheblicher Teil der Zuschauer beim zusehen einfach „abschaltet“.
    Nachdem ich in der Sendung „Abenteuer Leben“ gesehen habe, wie dort zwingendes Verbraucherschutzrecht als „Paragraphen-Schlupfloch“ bezeichnet wurde, habe ich mitschauende Freunde (allesamt Akademiker) gefragt, ob ihnen das nicht seltsam vorkomme.
    Einhellige Antwort war: „Was? Achso, ich hab gar nicht zugehört.“.
    Ich kann mir ehrlich gesagt entspannenderes Hintergrundrauschen vorstellen als diesen Schrott.


    • Daran mag auch liegen, daß das hiesige Fernsehpublikum mit Serien, die einen durchgehenden Handlungsfaden haben, überwiegend wenig anfangen kann.


  4. Besonders „schrottig“ ist die Sendung mit dem RA Ingo Lenßen! Dem müsste die Kammer eigentlich die Berufsausübung verbieten. Rechtsverstöße durch sein „Ermittlerteam“ sind da an der Tagesordnung, z. Bsp.: wird in Wohnungen eingebrochen und heimlich Überwachungsequipment eingebaut. Natürlich ohne Beschluß.


  5. „… warum sich eine relevante Anzahl an Zuschauern diese vermeintlich wirklichkeitsnahen Sendungen antut.“

    Weil die Realität entweder schreckenerregend oder langweilig ist?


  6. Okay, die Sendungen sind alle Mist, aber wer hilft denn nun wirklich, wenn es einem Menschen schlecht geht und er anwaltliche Hilfe braucht? Kenne einen wirklich finanziell armen Schwerbehinderten, der sich von seiner Versicherung betrogen fühlt. Denn die sagt aus, dass seine Lebenversicherung nun nach 25 Jahren ausgelaufen ist und er keinen Cent mehr bekommt. Der Mann sitzt im Rollstuhl, kann nur per Computer kommunizieren, ist seit knapp einem halben Jahr Witwer… Dem geht es sehr, sehr schlecht. Gibt es hier irgendwo eine Art Robin-Hood-Anwalt, der sich dieses Problems, natürlich möglichst finanzneutral, annehmen möchte? K



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