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Bei eBay über den Tisch gezogen?

April 17, 2012

Die Mandanten hatten bei eBay nach einer gebrauchten Spielekonsole gesucht, die sie ihrem Sohn schenken wollten. Fündig wurden Sie bei folgendem Auktionstitel:

„Playstation 2 (PS2) – Schwarz OVP NUR 3 TAGE !“  

Die Artikelbeschreibung fiel wie folgt aus:

„Verkaufe Euch OVP (Originalverpackung) von Playstation 2 (PS2)

Wie NEU !!!

Wünsche viel Spaß beim Bieten !!!

Da Privatverkauf keine Rücknahme oder Garantie möglich.

Wichtiger Rechtshinweis!

 Durch die neue EU-Ordnung muß ich folgenden Satz dazu schreiben: Der Artikel ist nach bestem Wissen und Gewissen beschrieben. Mit der Abgabe eines Gebotes gelten alle Mängel (auch nicht aufgelistete) als akzeptiert. Bitte stellen Sie alle Fragen vor Abgabe eines Gebotes. Eine Rücknahme, Wandlung oder Preisminderung ist ausgeschlossen. Nach Abgabe des Gebotes erklären Sie sich einverstanden und akzeptieren, daß es sich bei dem Angebot um eine Versteigerung im Sinne von § 3 Abs.5 Fernabsatzgesetz handelt. Dies bedeutet für den Höchstbietenden, daß er kein Widerrufsrecht gemäß dem Fernabsatzgesetz genießt. Der Artikel wird so wie er ist verkauft, dies bedeutet: Mit der Abgabe eines Gebotes erklären Sie sich ausdrücklich damit einverstanden, daß durch den Privatverkauf keine Garantie gewährt wird und Sie auf jegliche Gewährleistung verzichten, d.h. der Artikel wird unter Ausschluß jeglicher Gewährleistung verkauft! Bieten Sie nicht, wenn Sie mit diesen Regeln nicht einverstanden sind.“

Neben den Mandanten boten noch zahlreiche andere Personen mit auf den Artikel, so daß der Preis letztlich bei knapp 70,- € lag.

Tatsächlich ersteigert hatten die Mandanten indes nicht etwa die Spielekonsole, sondern lediglich deren Verpackung, die der Verkäufer ihnen auch brav per Post zukommen ließ. Bereits die Versandkosten dürften den Wert des Artikels überstiegen haben.

Eine Rücknahme verweigerte der Verkäufer zunächst. In der Auktion hätten alle erforderlichen Angaben gestanden. Er kenne sich zudem mit eBay nicht aus und habe in gutem Glauben gehandelt. Die Mandanten seien selbst schuld, da sie den Auktionstext nicht genau genug gelesen hatten.

Die „Unbedarftheit“ des Verkäufers darf indes stark bezweifelt werden.

  • So war der Artikel in der Rubrik „Konsolen“ eingestellt worden (und nicht etwa unter „Zubehör“).
  • Aus der Titelzeile, über die Interessenten auf die Auktion aufmerksam werden, ging m.E. gerade nicht eindeutig hervor, daß es sich nur um die Verpackung handelte.
  • Überhaupt dürfte es sich bei der bloßen Verpackung gar nicht um einen Artikel handeln, für den sich überhaupt ein Interessent findet, so daß naheliegt, daß der Verkäufer gerade darauf spekuliert, daß Interessenten die Artikelbeschreibung falsch interpretieren.
  • Hierzu paßt auch der Hinweis, daß die Auktion „Nur 3 Tage !“ läuft, so daß dem Kaufinteressenten suggeriert wird, er müsse sich besonders beeilen, wenn er dieses Schnäppchen erwerben wolle.
  • Die ausführlichen Hinweise darauf, daß keine „Garantie“ gegeben wird und die „Gewährleistung“ ausgeschlossen wird, trugen ihr Übriges zur Täuschungswirkung bei.

Auf das anwaltliche Schreiben ruderte der Verkäufer dann eiligst zurück und erstattete den Kaufpreis nebst den entstandenen Kosten … gegen Rückgabe des Kartons. Möge er viel Freude damit haben.

[Die „Masche“ ist übrigens nicht ganz neu und kann im Einzelfall auch strafrechtliche Konsequenzen haben, siehe hierzu etwa den Beitrag aus dem Jahre 2010 hier]

RA Müller

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8 Kommentare

  1. Jau….leider ein alter Trick 😥


  2. Was für Sammler traurig ist, die Masche schadet auch den (zugegebenermaßen selten auftretenden) Käufern von Originalverpackungen.

    Denn auch wenn es komisch klingt, es gibt tatsächlich einen (sehr kleinen, niedrige Gewinnspanne) Markt für sowas. Gerade bei alten Sammlerstücken, die man gut erhalten, aber ohne Verpackung bekommt, ergänzt man dann gerne mit einem defekten Teil, das dafür im Originalkarton kommt, oder eben nur den Karton.

    Oder die Fälle, wo die Verpackung selbst die Sammelware ist. Beispielsweise aufgrund von Covermotiven, oder der Konzeption als sammelbare Ware, oder weil sie nützlich designed ist (CD-Spindeln als klassisches Beispiel), und so weiter.

    Die seriösen Anbieter werden durch solche Aktionen doch abgeschreckt, weil irgendjemand sie meldet, der einen Betrugsfall vermutet, und sie das ganze natürlich klarstellen müssen. Da die Margen sowieso in dem Bereich sehr klein sind, lassen die ihre Verkäufe dann eben sein. Und der potentielle Kunde schaut dumm drein.


    • Da ließe sich dann allerdings doch bereits in dem Titel der Auktion darstellen, daß es sich nur um die Originalverpackung handelt. Auch ein ausdrücklicher, nicht zu übersehender Hinweis in der Beschreibung würde helfen (neben der Auswahl einer passenden Kategorie).

      Ich will nicht verkennen, daß in einigen Fällen in redlicher Absicht (nur) Verpackungen verkauft werden. Von den Mogel(ver)packungen sind indes häufig Konsolen und Graphikkarten betroffen, bei denen der Käufer sich regelmäßig im Irrtum befinden dürfte.


  3. Der „Wichtige Rechtshinweis“ ließe aber schon auf eine gewisse Naivität und Unbedarftheit schließen. Der ist nämlich von vorn bis hinten ein heilloser Unsinn und nimmt Bezug auf ein Gesetzt, das es bereits seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gibt.


    • Recht haben Sie. Diese „Rechtshinweise“ scheint bei eBay einer vom anderen abzuschreiben, ohne sich selbst darüber Gedanken zu machen.
      Der Rechtshinweis hier ist auch in anderer Hinsicht „Käse“, aber dazu vielleicht später 🙂


  4. Nach der Lektüre des verlinkten Artikels hätte ich bei der von ihnen beschriebenen Situation gleich wegen Betrugs geklagt.


    • Warum gleich klagen, wenn die Gegenseite auf das erste außergerichtliche Schreiben des Anwalts nachgibt? Ich bin ohnehin grundsätzlich kein großer Freund davon, in allen Dingen mit Strafanzeigen um mich zu schießen, von denen der Mandant selbst nichts hat. Ist aber sicher eine Frage des persönlichen Vorgehens/Empfindens.


      • Bezog sich bei mir nur auf das eigene Vorgehen. Ich hätte eventuell garnicht versucht mit Hilfe des Anwalts einzuschüchtern. Immerhin macht der Typ ja so weiter.



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