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Was man so alles „plausibel“ nennt

Mai 7, 2012

Der Unfallgegner (G) behauptet, im Zuge eines Verkehrsunfalles verletzt worden zu sein. Er habe im Februar 2010 sein Fahrzeug mit Anhänger auf einem Parkplatz abgestellt. Mein Mandant sei damals rückwärts gegen den Anhänger gefahren. Hierbei habe sich G erheblich verletzt. Es habe sich um eine „massive Kollision“ beziehungsweise einen „massiven Anstoß“ gehandelt, durch den der Anhänger und das Fahrzeug deutlich versetzt worden seien.

Zwischenzeitlich hat G Klage eingereicht. Der Klageschrift fügte er einen Arztbericht bei, demzufolge G „noch heute an rezidivierenden Lumboischialgien leidet, die zweifellos in direktem Zusammenhang mit dem Unfall aus Februar 2010“ stehen.

Mein Mandant bestreitet, daß sich G im Zuge des Unfalles verletzt hat. Er sei allenfalls ganz leicht gegen den Anhänger gekommen.

Das Gericht forderte meinen Mandanten in der mündlichen Verhandlung gleichwohl dazu auf, Bereitschaft zu zeigen, sich mit G zu einigen. Der ärztliche Bericht sei schließlich „plausibel“. Zum Verdruß von G und Gericht zeigte mein Mandant indes keine Neigung, einen Vergleich abzuschließen, so daß ein Sachverständigengutachten eingeholt werden mußte (Gericht: „Das ist doch völlig unwirtschaftlich!„).

Nun liegt das Gutachten vor. Der Sachverständige hält es allenfalls für „möglich„, daß unfallbedingte Beschwerden über 3-4 Wochen hinweg vorgelegen haben. Anhaltspunkte dafür, daß solche Beschwerden tatsächlich vorgelegen haben, habe er indes nicht finden können. G leide an „erheblichen degenerativen Vorschäden“, die ebenso Ursache etwaiger Beschwerden sein könnten.

Interessant waren die Angaben, die G gegenüber dem Sachverständigen tätigte: Durch den Anstoß habe sich ausschließlich der Anhänger bewegt, nicht hingegen das Fahrzeug selbst.

Wir fassen zusammen: G befand sich in einem Fahrzeug, das durch den (streitigen) Anstoß nicht bewegt worden ist. Hierdurch will er Verletzungen davongetragen haben, die zudem mehr als ein Jahr nach dem Unfall noch vorliegen?

Ich gehe davon aus, daß das eingeholte Gutachten für den Mandanten alles andere als „unwirtschaftlich“ war. Der Mandant wird es wohl nicht bezahlen müssen…

RA Müller

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