h1

Da geht es zu wie im Tollhaus

Juli 11, 2012

Ich habe nun schon zahlreiche Mandanten gegen Telekommunikationsabieter vertreten. Zumeist ließ sich das jeweilige Problem recht zügig aus der Welt schaffen. Einem solchen Abrechnungschaos wie in einem vorliegenden Fall bin ich allerdings selten begegnet.

September 2011:

Der Mandant zog um. Sein Vertrag lief noch bis Ende Januar 2012. Der Mandant teilt den Umzug dem Anbieter mit, kündigt zu Ende Januar 2012  und weist darauf hin, den Internetzugang über die erhaltenen Zugangsdaten noch bis Ende Januar 2012 nutzen zu wollen. Folge: Der Anbieter sperrt wegen des Umzuges den Festnetzanschluß und die Zugangdaten für den Internetzugang … rechnet aber weiter die vollen Monatsbeträge gegenüber dem Mandanten ab.

Oktober 2011:

Telefonisch bestätigt der Anbieter dem Mandanten mehrfach, den Internetzugang wieder freischalten zu werden. Die Sperrung sei versehentlich erfolgt.

Die Freischaltung erfolgt nicht.

Auf weitere Anrufe des Mandanten wird ihm jeweils ein baldiger Rückruf zugesagt.

Kein einziger Rückruf erfolgt.

Stattdessen werden weiter munter Leistungen abgerechnet und angemahnt, die nicht erbracht wurden.

Alle Schreiben werden trotz Umzugsmitteilung an die alte Anschrift versendet. Mehrfache Bitten des Mandanten, die neue Anschrift zu verwenden, führen zu nichts.

November 2011 – Januar 2012

Das Spielchen mit den zugesagten Rückrufen sowie den unbegründeten Rechnungen und Mahnungen setzt sich fort. Weiterhin gehen alle Schreiben an die falsche Adresse.

Februar 2012:

Ein Highlight! Es erfolgt tatsächlich eine erste schriftliche Reaktion des Anbieters auf die Eingaben des Mandanten. Allein: Das Schreiben des Anbieters ist zu nichts zu gebrauchen. So verweist der Anbieter darauf, daß es trotz zahlreicher Versuche nicht gelungen sei, dem Mandanten die Sachlage nachvollziehbar zu machen. Man sei im Recht. Selbst wenn man die Sperrung versehentlich vorgenommen habe, so habe der Mandant doch einen Widerruf erklären können. Im Übrigen ´werde bestätigt, daß der Vertrag zu Ende Januar 2012 geendet habe.

Die Reaktion muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Der Anbieter macht einen Fehler und der Kunde soll schuld sein, weil er nicht widersprochen habe. Die zahlreichen Beschwerdeanrufe und -schreiben des Mandanten bleiben unberücksichtigt.

März 2012:

Gleich zwei weitere Highlights: 1. Obgleich der Anbieter selbst bestätigt hatte, daß der Vertrag zu Ende Januar 2012 geendet hatte, rechnet der Anbieter für Februar die Grundgebühr ab. 2. Dem Mandanten wird damit gedroht, den vertrag zu kündigen, wenn die angeblichen Rückstände nicht gezahlt werden. Einzige Hoffnung: Das Schreiben war als „Letzte Mahnung“ bezeichnet. Man konnte also hoffen, daß die Akte dann einem anderen Sachbearbeiter in die Hände geraten würde, der dann vielleicht des Lesens mächtig ist.

April 2012:

Ob es nun an einem anderen Sachbearbeiter oder an dem anwaltlichen Briefkopf lag: Der gordische Knoten wird endlich durchschlagen und plötzlich ist alles ganz einfach. Es wird durch den Anbieter bestätigt, daß der Vertrag beendet ist. Beanstandete Rechnungen werden weitestgehend storniert. Man spricht gegenüber dem Mandanten eine ausdrückliche Entschuldigung aus.

Gut, daß der Mandant angesichts der Vielzahl an Rechnungen und Mahnungen standhaft geblieben war.

RA Müller

Advertisements

9 Kommentare

  1. Irgendwie hofft man dann ja doch auf eine Klage, damit der ganze Unsinn dann ein Ende hat.


    • Bei der Klage hätte ich mich sehr zurückhalten müssen, um nicht ZU deutliche Worte zu verlieren 😉


  2. Das kann nur T****** gewesen sein. Denn diese Machenschaften kommen mir von meiner damaligen FN/I-Kündigung doch noch ausgesprochen bekannt vor!

    Als ich vor einiger Zeit bei deren Tochter auch noch meinen Handy-Vertrag kündigte, widersprach ich ab Eintritt des Wirksamwerdens der Kündigung auch gleich der Einzugsermächtigung. Außerdem bat ich um Verzicht auf deren übliche, oben ähnlich beschriebene, Machenschaften, da mir diese bereits aus der FN-Kündigung bekannt seien. Das klappte dann sogar reibungslos.


  3. Das Traurige an der Geschichte ist, dass viele, die diese Nerven nicht haben, dann lieber alles hinnehmen und bezahlen bzw. gleich von vornherein auf einen Wechsel verzichten.
    Selbst ich habe mir den Schritt, meinen Telefon- und DSL-Anbieter sehr gründlich überlegt und gut vorbereitet. Ich bin auf Telefon und DSL angewiesen und habe diesen Schritt nur gemacht, nicht, um ein paar Euro zu sparen sondern aus technischer Notwendigkeit.

    (Für ein paar Euro hätte ich mich dieser Gefahr nicht ausgesetzt!)


  4. Dem T-Anbieter steht der A-Anbieter in Nichts nach.
    Der Sachverhalt:
    Der Kunde hat 2 Anschlüsse beim Anbieter, mit 2 verschiedenen Kontoverbindungen und 2 verschiedenen Adressen.
    Anbieter stellt beide Konten unter dem gleichen Onlinezugang ein.
    Problem: Der Zugang ist nach Einrichtung des zweiten Anschlusses nicht mehr erreichbar, weil der Onlinezugang geändert wurde und nun eine Mischung aus dem Anmeldenamen des ersten Zuganges und dem Passwort des zweiten Zuganges ist.
    Seitens des Anbieter gibt es dazu keine Hilfe, aber der Kunde findet es durch probieren irgend wann selber heraus.
    Soweit läuft alles gut. Nach 2 Jahren ändert der Kunde eine Kontoverbindung am 3 Januar.
    Am 5. Januar kommt vom Anbieter die schriftliche Bestätigung, dass die Kontoverbindung geändert wurde.
    Am 29. Januar kommt die Mahnung inkl. Mahngebühren, weil der Rechnungsbetrag nicht abgebucht werden konnte. In der Rechnung steht die alte Kontoverbindung.
    Der Kunde verweist auf die Änderung der Kontoverbindung und das Bestätigungsschreiben und darauf, dass der Betrag vom falschen Konto abgebucht wurde. Im Februar exakt das gleiche Spiel.
    Im März dann eine erste erkennbare Reaktion des Anbieters. Er bucht Rechnungsbeträge und Mahngebühren vom Konto des zweiten Anschlusses ab.
    Umgehend wird die Buchung zurückgeholt und der Anbieter erneut auf die geänderte Kontoverbindung, die Bestätigung der Änderung durch den Anbieter usw. verwiesen. Als Folge dessen legt der Anbieter Anschluss 2 tot. Nach telefonischer Beschwerde beim Anbieter wälzt man sich im Staube und schaltet den Anschluss wieder frei. 2 Tage später wird Anschluss 1 totgelegt.
    Nach erneuter Beschwerde erklärt man das das daran liege dass es offene Rechnungen gäbe. Mit dem Verweis auf den geführten Schriftverkehr wird versprochen den Anschluss wieder freizuschalten, was aber nicht passiert. Der Kunde kündigt daher Anschluss 1 außerordentlich. Eine Woche später funktioniert der Zugriff auf die Online-Abrechnung nicht mehr.
    Notgedrungen wird auch Anschluss 2 gekündigt, mit Hinwies auf das verursachte Problem.
    Als Reaktion kommt das gerichtliche Mahnverfahren. Insgesamt kam es 8 Mal, bis man es dann offensichtlich aufgab und ein Entschuldigungsschreiben schicke in dem man die Fehler einräumte und eine Abrechnung mitschickte in der alle Beträge gutgeschrieben wurden. (Mittlerweile waren Jahre vergangen). 2 Wochen später kam die nächste Mahnung über 0,22 Euro.
    Das war dann aber endgültig das letzte Schreiben von A….


    • Himmel hilf. Da möchte man ja in die Tischkante beißen!


  5. Ein TK-Anbieter, der Vorrechte der Justiz und der Computer beansprucht: „Syntax error, not ready.“



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: