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„Zeugen vom Hörensagen lade ich nicht“

August 27, 2012

In einem Strafverfahren geht es darum, was in einem Telefongespräch geäußert worden ist und ob mein Mandant den Gesprächsinhalt eventuell mißverstanden hat. Das Gericht will hierzu den seinerzeitigen Gesprächspartner meines Mandanten anhören.

Für meinen Mandanten benenne ich dem Gericht einen weiteren Zeugen, welchem mein Mandant unmittelbar nach dem Telefonat von dessen Inhalt berichtet hatte. Nun kann dieser Zeuge zwar keine Angaben dazu tätigen, was in dem Telefonat geäußert worden ist. Indes liegt es nicht ganz fern, daß mein Mandant sein Gegenüber so verstanden hatte wie er es daraufhin diesem Zeugen geschildert hatte.

Die zuständige Richterin des auswärtigen Amtsgerichts weigert sich indes, besagten Zeugen zu laden. Als Zeuge vom Hörensagen sei der Beweiswert der Zeugenaussage nur ganz gering. Das Gericht werde den Zeugen daher nicht laden, stelle jedoch anheim, den Zeugen zum Termin mitzubringen.

Das Gericht wird den Zeugen – sofern er zur Verhandlung erscheint – also anhören, will ihn aber nicht selbst laden. Berücksichtigt man, daß der Zeuge nur im Hinblick auf den Inhalt des Telefonats „Zeuge vom Hörensagen“ ist, nicht hingegen bezogen auf die Angaben meines Mandanten ihm gegenüber, so ist dieses Vorgehen mehr als nur befremdlich.

RA Müller

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2 Kommentare

  1. § 220 Abs. 1 StPO 🙂


  2. oder § 24 StPO, je nachdem, was dem Mandanten dienlicher ist



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