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Vernehmung von Kindern in Strafverfahren

September 21, 2012

Ich gestehe: Ich bin kein großer Freund davon, wenn in gerichtlichen Verfahren Kinder als Zeugen befragt werden sollen. Dies gilt insbesondere für Strafsachen. Derartige Situationen lassen sich indes bisweilen nicht vermeiden. 

Vorschriften zum Verfahrensablauf tragen dann dem besonderen Schutzbedürfnis von Kindern in vielfältiger Art und Weise Rechnung, so etwa in der folgenden Art und Weise:

  • Grundsätzlich soll ein Gericht stets prüfen, ob ein Kind tatsächlich unbedingt angehört werden muß.
  • In Einzelfällen kann die Vernehmung des Kindes auch durch die Videoaufzeichnung einer früheren Vernehmung ersetzt werden.
  • Das Kind soll vor anderen Zeugen gehört werden, um lange Wartezeiten zu vermeiden.
  • Das Kind kann/sollte sich von den gesetzlichen Vertretern begleiten lassen.
  • Die Öffentlichkeit kann für die Zeit der Vernehmung des Kindes ausgeschlossen werden.
  • Bei Bestehen eines Zeugnisverweigerungsrechtes ist darauf zu achten, ob das Kind die erforderliche Verstandesreife besitzt, die Bedeutung dieses Rechts zu erfassen.
  • Die Vernehmung eines Zeugen, der noch nicht 18 Jahre alt ist, obliegt grundsätzlich dem Vorsitzenden. Fragen der anderen Verfahrensbeteiligten an das Kind sind über den Vorsitzenden zu stellen.
  • Unter 18 Jahre alte Zeugen dürfen nicht vereidigt werden.

Auch in diesem Rahmen kann die Vernehmungssituation für ein Kind natürlich belastend sein. Kürzlich durfte ich allerdings eine richterliche Vorgehensweise erleben, die ich als ausgesprochen positiv empfand.

Für die Wartezeit durften sich die – noch keine 10 Jahre alten – Kinder in einem hierfür zur Verfügung gestellten Raum aufhalten, wobei extra Spielzeug gesucht worden war, damit die Wartezeit den Kindern nicht zu lang wurde. Bei ihrer Aussage durften die Kinder dann direkt neben der Richterin Platz nehmen. Diese hatte sich zuvor ihrer Robe entledigt, damit die Situation auf die Kinder nicht gar so förmlich/einschüchternd wirkte.

Es folgte eine kindgerechte Unterhaltung, die sich zunächst auf die Hobbies der Kinder bezog, bevor dann behutsam der Tatvorwurf angesprochen wurde. Fragen der Prozeßbeteiligten wurden ebenso behutsam an die Kinder weitergeleitet. Wenn Kinder schon unbedingt vernommen werden müssen, dann doch bitte auf diese Art und Weise 🙂

RA Müller

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2 Kommentare

  1. Die Altersgrenze ist von 16 auf 18 Jahre angehoben worden – der „Blickwinkel einer Anwaltskanzlei“ sollte auch mal in die StPO gerichtet sein.


    • Danke, korrigiert.
      Angesichts der in meinen Augen nicht existenten Bedeutung der Vereidigung von Zeugen steht die entsprechende Vorschrift nicht unbedingt in Zentrum meiner Aufmerksamkeit 😉 Faktisch habe ich es auch noch nicht erlebt, daß die Vernehmung von Jugendlichen Zeugen allein durch den Vorsitzenden erfolgt.



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