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Mysteriöse Gesprächsaufzeichnung

November 19, 2012

Eine Telefongesellschaft macht gegen meinem Mandanten ausgesprochen hartnäckig Ansprüche geltend. Zum Nachweis des Vertragsschlusses beruft man sich auf eine Gesprächsaufzeichnung, die mit Einverständnis meines Mandanten erfolgt sei. Diese Aufzeichnung weise eindeutig den von der Gegenseite behaupteten Inhalt auf.

Mein Mandant schildert den Gesprächsinhalt abweichend.

Auf meine Aufforderung hin, mir die Aufzeichnung zur Verfügung zu stellen, reagiert die Gegenseite verschnupft: Die Aufzeichnung sei „ausschließlich“ für gerichtliche Zwecke erstellt worden. Man könne diese außergerichtlich nicht zur Verfügung stellen.

Klingt nach hohler Drohung, aber ich zeige mich gespannt. Da die Gegenseite zudem eine unwirksame Widerrufsbelehrung verwendet, dürfte die Frage des Gesprächsinhaltes ohnehin nicht „kriegsentscheidend“ sein 😉

RA Müller

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13 Kommentare

  1. Interessant wäre auch, wie sie beweisen wollen, dass der Mandant der Aufzeichnung zugestimmt hat.
    Durch eine Aufzeichnung?
    Dann hätten sie aber aufgezeichnet obwohl es noch keine Einwilligung gabt.


  2. Diese Aufzeichnungen werden in aller Regel tatsächlich durchgeführt (mit Zustimmung des Angerufenen). Von daher dürfte es m.M.n kein Bluff sein.

    Aber es gibt ja noch den einen oder anderen Rettungsanker 🙂


    • In den meisten Fällen, in denen ich eine solche Aufzeichnung bislang angefordert habe, ist sie auch prompt übersendet worden. Die Verweigerungshaltung hier mutet in meinen Augen schon etwas sonderbar an.


    • Der Bluff dürfte ja auch weniger sein, dass eine Aufzeichnung vorhanden ist, sondern was in dieser Aufzeichnung aufgezeichnet worden ist.


  3. Das mit den Gesprächsaufzeichungen, wurde schonmal bei einer Verbrauchersendung thematisiert und geht in etwas so. Guten Tag, spreche ich mit Herr Müller. Antwort JA. .. Dannach etwas blabla und man dann die Frage: Möchten Sie mit uns den Vertrag xy schließen und dann nehme man das JA von der Frage nachdem Namen und schiebe es nach Frage der Vertragszustimmung. Einfach zu machen nur vor Gericht meist nur mit einem teuren Gutachten zu widerlegen. Weshalb es nur selten gemacht wird


  4. Ich hatte das auch mal, dass im Nachhinein geteilte Meinung über den Vertragsschluss bei Vodafone herrschte. Als ich darauf verwies, dass man doch mal in den Mitschnitt reinhören könnte, sagte man mir, dass die nach 8 Wochen ohnehin gelöscht werden. Vielleicht ist es hier ähnlich und sie wollen das als Druckmittel aber behalten…


  5. Selbst wenn da eine Aufzeichnung existiert, ist es doch oft so, dass die Zustimmung zur Aufzeichnung erteilt wurde, weil es um die „Qualität der telefonischen Betreuung“ geht. Wenn dann später die Aufzeichnung in einem Rechtsstreit verwertet werden soll, obwohl die Zustimmung dies nicht umfasst, müsste dies vor Gericht doch unverwertbar sein, oder?


  6. Meiner Erfahrung nach werden in deutlich mehr Verfahren angebliche Aufzeichnungen in den Raum geworfen, als tatsächlich gemacht wurden. Während mehreren Monaten bei dem Callcenter eins TK- Anbieters mit zig hundert Gesprächen erfolgen ca. 3-8 Aufzeichnungen im Monat.


  7. Zum Verfahren der Aufzeichnung: Das fand ich damals sehr transparent. Der Mitarbeiter sagte, dass zum festhalten des Vertrags das Gespräch aufgezeichnet werden müsse und ob ich damit einverstanden bin, im anderen Fall würde das schriftlich Laufen.

    Dann sagte er, dass die Aufzeichnung beginne und sagte danach als erstes, dass wie eben besprochen die Aufzeichnung jetzt läuft und ob ich damit einverstanden bin.

    Das ist eigentlich ein Verfahren, bei dem man das meiner Meinung nach rechtssicher und transparent durchführen kann.

    Und wenn man dann vor Gericht hört, dass der Mitarbeiter sagt, dass er das eben schon mal angekündigt hat, dass aufgezeichnet wird und dass die Aufzeichnung jetzt läuft und fragt, ob der Kunde damit einverstanden ist und das bejaht, dürfte es schwer werden für den Kunden zu behaupten, dass das heimlich aufgezeichnet wurde 😉


    • Das klingt in der Tat nach einer guten Vorgehensweise. Ich habe allerdings schon in mehreren Verfahren eine Gesprächsaufzeichnung übermittelt bekommen und bei keiner dieser Aufzeichnungen wurde so gründlich wie von Ihnen geschildert vorgegangen.
      Vorliegend macht meine Skepsis aber ohnehin eher daran fest, daß man mir die Aufzeichnung nicht übersenden möchte…


  8. […] Gerade erst habe ich über einen Fall berichtet, in meinem Mandanten der Vertragsschluß mittels einer angeblich gefertigten Gesprächsaufzeichnung nachgewiesen werden soll, die man mir allerdings nicht zur Verfügung stellen möchte. […]


  9. Ob der Aufzeichnung zugestimmt wurde spielt aber zivilrechtlich keine Rolle. Wird der Vertragschluss mit der Aufzeichnung bewiesen steht
    dem entsprechenden Urteil nichts entgegen.


    • Allerdings dürfte die Gesprächsaufzeichnung nicht „heimlich“ erfolgt sein. Dann ist die Aufzeichnung meines Wissens zumindest nach überwiegender Rechtsprechung als Beweismittel nicht verwertbar. (Im StrafR hinge die Frage der Verwertbarkeit dagegen von einer Güterabwägung ab.)



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