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Die unstreitige Beweisaufnahme

Januar 7, 2013

Bisweilen geht es bei Gericht kurios zu. In einer Zivilsache vertrat ich einen von mehreren Beklagten. Der Klageschrift fehlte es meiner Auffassung nach an allen Ecken und Enden an Substanz. Man durfte sich vor diesem Hintergrund bereits fragen, ob angesichts einer derart dürftigen Klageschrift überhaupt die Beweisaufnahme stattfinden durfte, aber sei es drum.

Soweit die Haftung meines Mandanten im Raum stand, sagte im Rahmen der Beweisaufnahme eine Zeugin aus. Den Teil, den mein Mandant eingeräumt hatte, bestätigte auch die Zeugin. Dieser Teil reichte jedoch nicht aus, meinen Mandanten haftbar zu machen. Zu allem anderen konnte die Zeugin keine Angaben tätigen. Weitere Beweisangebote hatte der Kläger nicht getätigt.

Der Klägervertreter ließ es sich indes nicht nehmen, die Zeugin wieder und wieder durch immer neu formulierte Fragen den Teil bestätigen zu lassen, den mein Mandant bereits eingeräumt hatte. Selbst als der zunächst sehr geduldige Richter ihn schließlich darauf hinwies, daß seine Fragen allein Tatsachen betrafen, die unstreitig waren, löste sich der Klägervertreter nur widerwillig von der Befragung.

Es heißt zwar immer wieder, daß man als Anwalt bei Gericht nur Fragen stellen soll, deren Antwort man kennt, aber dieses Sprüchlein muß der Kollege irgendwie falsch verstanden haben.

RA Müller

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