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Hellseher als Sachverständiger?

Januar 16, 2013

Als Ersatz für den versehentlich doppelten Beitrag (ja, werte Leser, gut aufgepaßt) hier einen weiteren Beitrag aus dem Verkehrsrecht:

Ein Verkehrsunfall hatte sich ereignet. Die Außenspiegel zweier entgegenkommender Fahrzeuge hatten sich berührt und Schaden genommen. Die Fahrer beider Fahrzeuge beschuldigten sich wechselseitig, über die Mitellinie gefahren zu sein. Der Gegner meines Mandanten behauptet zudem, daß mein Mandant zu schnell gefahren sei.

Das Gericht läßt nun ein Sachverständigengutachten zu der gefahrenen Geschwindigkeit einholen. Bei dieser Gelegenheit soll sich der Sachverständige nun auch dazu äußern, ob sich feststellen läßt, welches Fahrzeug über die Mittellinie gefahren ist.

Ich stelle mir die von Verwunderung gekennzeichnete Miene des Sachverständigen vor, wenn er diese Beweisfrage liest. Der Unfall ist nämlich nicht polizeilich aufgenommen worden. Spuren auf der Straße gab es nicht. Zeugen sind auch nicht vorhanden. Es dürfte jedem eingängig sein, daß es für den Sachverständigen unmöglich sein wird festzustellen, wo auf der Straße welches Fahrzeug gefahren ist.

Ob der vom Gericht ausgewählte Sachverständige über eine Kristallkugel verfügt, die weiteren Aufschluß zu bringen vermag?

RA Müller

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6 Kommentare

  1. Der Sachverständige wird das schon sagen können. Das können die immer… Das ist sozusagen beruflich bedingt.


  2. Aufgrund der fehlenden Spuren wird es auch unmöglich sein, etwas über die jeweilige Geschwindigkeit auszusagen (unter Umständen ließe sich die relative Geschw. vielleicht noch grob aus dem Schadensbild abschätzen, bei kaputten Aussenspiegeln glaube ich das aber nicht). Einfach verdientes Geld für den Gutachter.


  3. Irgendeiner wird den ominösen Beweisantrag „Sachverständigengutachten“ ja gestellt haben.

    Sollte es etwa der Blogverfasser gewesen sein?


    • Der Blogverfasser ist in dem Verfahren auf der Gegenseite und sieht dem Gutachten daher gelassen entgegen 😉


  4. Ach, dem Sachverständigen ist das doch egal. Der wird vermutlich (wegen akuter Humorlosigkeit) noch nicht mal grinsen.
    Er wird 10 Seiten schreiben, schön mit Bildern und allem drum und dran und hinten in der Zusammenfassung steht dann, dass er auch keinen Plan hat. Dafür kassiert er dann 1857,36 und freut sich ein Loch in den Bauch.


  5. […] hätte es den im Beitrag hier vom Gericht beauftragten Sachverständigen fragen […]



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