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Das Klage-Puzzle

Februar 7, 2013

Erneut wird ein Mandant von mir von seiner ehemaligen Vermieterin auf Leistung von Schadensersatz in Anspruch genommen.

Zunächst werden fast 40 Schadenpositionen aufgezählt, ohne daß an dieser Stelle eine Bezifferung erfolgt. Die Positionen sind dabei allerdings derart vage beschrieben worden, daß sie sich einzelnen Schäden kaum zuordnen lassen.

Manche Schadenpositionen werden – in leicht abgewandelter Formulierung – gar mehrfach genannt. Ein Versehen? Wußte auch der gegnerische Kollege nicht so genau, worauf sich die einzelnen Positionen bezogen und hat ungeprüft eine von seiner Mandantin erstellte Liste übernommen? Ich vermag es nicht zu sagen.

Sodann sind der Klageschrift Lichtbilder beigefügt worden. Ist dieses auch durchaus löblich, so wäre es ungemein hilfreich gewesen, die Lichtbilder mit den Schadenpositionen zu verknüpfen. Es ist für mich und meinen Mandanten jedenfalls nicht ohne weiteres erkennbar, welche Bilder sich auf welche Schadenpositionen beziehen sollen.

Die Krönung stellt die dann folgende Bezifferung dar. Diese besteht daraus, daß eine fast fünfstellige Summe genannt wird, wobei zum Beleg dieser Summe auf ein umfangreiches Anlagenkonvulut Bezug genommen wird. Es handelt sich um stapelweise Quittungen, die – wie bereits die Lichtbilder – ganz überwiegend nicht erkennen lassen, auf welche Schadenpositionen sie sich beziehen.

Enthalten sind darüber hinaus Quittungen etwa über Dieselkosten, Hausschuhe, Lebensmittel, Deko-Gegenstände, Haartrockner, Kühltaschen und einen Barbecue-Grill. Ein Zusammenhang mit den Schadenspositonen ist schlichtweg nicht erkennbar.

Es mag dem einen oder anderen Freude bereiten, sich in seiner Freizeit mit einem Puzzle zu beschäftigen. Man sollte indes nicht davon ausgehen, daß der Richter Freude empfindet, wenn er eine solche Klageschrift in die Hand nehmen muß.

RA Müller

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2 Kommentare

  1. Der einzige, der sich nicht über eine solche Klageschrift freuen sollte ist doch wohl der Anwalt, der das Puzzle dann zusammensetzen muss. Und das müsste ja wohl der Klägeranwalt sein. Ansonsten reicht doch ein einfacher Blick auf die Tatsache, dass der Zusammenhang der Anlagen mit den undefinierten Schadenspositionen absolut unklar ist. Dann einfach bestreiten und Aufklärung über die Zusammenhänge verlangen. Und als Richter reicht wohl ein Hinweis, dass aus den derzeitigen Anlagen der Zusammenhang mit den Schäden nicht hervorgeht und mit diesen Unterlagen die Zurückweisung droht.

    Wer diese Suppe einbrockt, der sollte sie auch auslöffeln…


    • Genau darauf sollte es hinauslaufen. Mein Puzzle-Vergnügen hält sich nämlich in Grenzen 😉



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