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Bedenklich, wenn nicht gar strafbar…

Februar 19, 2013

In einer Zivilsache vertrete ich die Beklagten, von welchen der Kläger die Bezahlung seines materiellen Schadens sowie Schmerzensgeld verlangt. Die außergerichtliche Regulierung scheiterte an den aus meiner Sicht völlig überzogenen Ansprüchen des Klägers sowie der Tatsache, daß er sich teilweise schlichtweg weigerte, seinen Schaden zu belegen.

Bereits in erster Instanz empfand ich den anwaltlichen Vortrag des Klägers als bedenklich. Selbst als das Landgericht schließlich darauf hinwies, zu welchen Schadenspositionen der Vortrag des Klägers bislang unsubstantiert war, erfolgte durch den Kläger keine wesentliche Nachbesserung. Teilweise war der Vortrag sogar in sich widersprüchlich.

Wenig überraschend wurde die Klage durch das Landgericht ganz überwiegend abgewiesen.

Der Kläger ließ es sich gleichwohl nicht nehmen, in die Berufung zu schreiten. Das Oberlandesgericht fand indes in einem an die Klägerseite gerichteten Hinweisbeschluß so deutliche Worte wie man sie an vergleichbarer Stelle nur selten liest.

Teilweise sei der anwaltliche Vortrag des Klägers

„äußerst bedenklich (und ggf. in strafrechtlicher Weise zu würdigen)“.

An anderer Stelle heißt es, daß der Vortrag des Klägers

„nachdrücklich zu bezweifeln“,

„insgesamt nicht plausibel“

sowie erneut

„äußerst bedenklich“

sei. Es wäre angesichts derart deutlicher Worte nicht allzu verwunderlich, wenn der Kläger seinen Namen zeitnah auf einem roten Aktendeckel wiederfindet (siehe etwa hier oder hier).

RA Müller

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6 Kommentare

  1. Verstößt es gegen irgendwelche Richtlinien, wenn Sie verraten würden, ob und wer privat oder gewerblich war?

    Daß RAe auf Wunsch der Mandanten (ehemalige Nachbarin) teilweise wirklich abstrusesten und völlig substanzlosen Blödsinn schreiben, habe ich schon persönlich erfahren.

    Ebenso in einem RA-Schreiben an eine Bekannte „trotz wiederholter Zahlungsaufforderung … nicht bezahlt“, wobei sich später herausstellte, daß genau EINE Mahnung per Einschreiben versandt wurde, die wegen kürzlich stattgefundenem Umzug nicht zugestellt werden konnte.
    Die in den Vertragsunterlagen ebenfalls hinterlegte Handynummer mal anzurufen, hat die an der Forderungsbeitreibung beteiligten Textbausteinzusammenklicker offenbar völlig überfordert.


    • Der Gegner war eine anwaltlich vertretene Privatperson. Ich habe u.a. den Versicherer vertreten.


      • Fragt sich noch, ob der Mandant seinen RA unter Druck gesetzt hat, oder ob der RA seinen Mandanten falsch beraten hat. Das werden wir sicher nicht erfahren…


        • Man muss einen Anwalt doch nicht „unter Druck setzen“, schließlich bezahlt man ihn ja dafür, dass er das bei Gericht vorträgt, was man ihm sagt.


          • Und wenn ein Anwalt alles vorträgt, was man von ihm verlangt, dann wäre das „äußerst bedenklich“, um den Wortlaut des OLG aufzugreifen 😉


          • Und wenn Mandant und RA „gemeinsame Sache“ gegen die Versicherung versucht haben? Nach dem Motto „teilen wir uns den Raub“?
            Es sind ja schon häufiger Juristen mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Prominente Beispiele wären z.B. RA Gravenreuth aus München oder Notar Braun aus Berlin.



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