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Beleidigung und Gegenbeleidigung – ein Theater in mehreren Akten

März 15, 2013

Das Verhältnis zwischen dem Mandanten und dem in der Nachbarschaft wohnenden Herrn X war recht unentspannt. Bei einer zufälligen Begegnung auf der Straße durfte sich mein Mandant verschiedene Vorwürfe anhören, die allesamt unzutreffend waren. Mein Mandant war so verdutzt, daß er keine rechte Entgegnung fand und dem schimpfenden Gegner, der sich schließlich entfernte, nur ungläubig nachsah.

Er berichtete später seiner Ehefrau von dem Geschehen. Diese wandte sich wiederum an die Ehefrau des Nachbarn X. Gemeinsam kam man zu der Erkenntnis, daß die erhobenen Vorwürfe auf einem Irrtum beruhten und das nachbarschaftliche Verhältnis durch den Vorfall nicht getrübt werden sollte.

Und so kehrte Frieden ein. Und so hätte Frieden einkehren können.

Allein Nachbar X war nicht an Frieden gelegen und so stieß er bei der nächsten Begegnung gar wüste Drohungen aus. Er war ersichtlich empört, daß seine Ehefrau „in die Sache“ hineingezogen worden war.

Mein Mandant schluckte seinen Ärger hinunter und ignorierte Herrn X.

Bei einer weiteren Begegnung äußerte Herr X gegenüber meinem Mandanten verschiedene Beleidigungen.

Wieder schluckte mein Mandant seinen Ärger hinunter und reagierte nicht auf die Äußerungen.

Schließlich kam es zu einer weiteren Begegnung, bei der sich Herr X wie die sprichwörtliche Axt im Walde aufführte. Meinem Mandanten platzte schließlich der Kragen und er äußerte nun selbst einige deutliche, nicht gerade höfliche Worte.

Hierauf schien Herr X nur gewartet zu haben, da er angesichts der „ehrverletzenden Äußerungen“ in der ihm eigenen, forschen Art einen Strafantrag wegen Beleidigung stellte.

Aber halt: Da gibt es ja noch § 199 StGB:

Wenn eine Beleidigung auf der Stelle erwidert wird, so kann der Richter beide Beleidiger oder einen derselben für straffrei erklären.

So sollte sich dann der Vorhang dieses Theaterstücks schließen.

Bis zum nächsten Akt?

RA Müller

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