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Der ärgste Feind des Mandanten ist … sein Anwalt?

April 3, 2013

Vor einiger Zeit betrat der gegnerische Kollege in einer Zivilsache zunächst ohne seinen Mandanten, dessen persönliches Erscheinen angeordnet worden war, den Gerichtssaal. Dem Gericht und mir teilte der gegnerische Kollege mit, daß sein Mandant vor dem Saal warte und er ihn gleich hereinrufen werde. Vorher wolle er gerne außerhalb des Protokolls eine kurze Erklärung abgeben, von der das Gericht seinen Mandanten bitte nicht unterrichten möge.

Dieser Einstieg sorgte bereits dafür, daß sich wohl nicht nur bei mir fragend eine Augenbraue hob. Es folgten sodann Ausführungen des Kollegen, die mich sprachlos machten.

So teilte der Kollege mit, daß er das Gericht vorab darauf hinweisen wolle, daß er den Vortrag seines Mandanten für bedenklich halte. Auch wenn sein Mandant Zeugen für seine Behauptungen benannt habe und das Gericht diese Zeugen zu dem Termin geladen habe, könnten wir uns ja alle denken, wie es tatsächlich gewesen sei. Er jedenfalls wolle wegen seines Mandanten nicht Gefahr laufen, seine Zulassung zu verlieren, so daß er seine Bedenken dem Gericht außerhalb des Protokolls in aller Deutlichkeit mitteilen wolle.

Er rege im Übrigen an, daß das Gericht seinen Mandanten darauf hinweise, daß die Akte bei Festhalten an dem bisherigen Vortrag einen „roten  Deckel“ bekommen könne, also die Einleitung eines Strafverfahrens gegen seinen Mandanten in Betracht komme.

Eine derartige Distanzierung von den Schriftsätzen, die ein Anwalt für seinen Mandanten verfaßt hat, ist mir in all den Jahren meiner anwaltlichen Tätigkeit nicht begegnet.

Wenn die Bedenken des Anwalts derart erheblich waren und er davon überzeugt war, daß sein Mandant einen versuchten Prozeßbetrug beging, dann hätte er das Mandat in meinen Augen niederlegen müssen. Den Vortrag indes gleichwohl zu bringen und dann seinem Mandanten derart in den Rücken zu fallen, ist schlichtweg unerhört.

Der Gedanke an ein in mehrfacher Hinsicht strafbares Verhalten des Anwalts liegt hier meines Erachtens nicht fern.

RA Müller

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12 Kommentare

  1. Und was tun Sie jetzt, damit dieser betreffenden Anwalt nicht weiter auf Mandanten losgelassen wird ??

    Oder gilt für Sie auch der dubiose § 25 BORA ??


    • Ich halte mich vornehm zurück. Meinem Mandanten dürfte das Verhalten des Gegners Nutzen gebracht haben.


  2. Der Kollege hätte niederlegen müssen, wenn der Mandant nach entsprechender Belehrung keinen Abstand nimmt von dem (vermeidlich) falschen Vortrag. So ist es Parteiverrat und sogar ein Absatz II.


  3. Mir fällt da spontan und ganz unjuristisch ein Wort ein, das mit „A“ anfängt und mit „och“ endet – und nicht Aschermittwoch lautet.


    • Aushilfskoch?


  4. Wie alt ist der Kollege ? Sollte man nicht doch besser ein Lehrjahr bei einem erfahrenen Kollegen vorschreiben ?


    • Es handelte sich um einen durchaus sympathisch wirkenden, jungen Kollegen.


  5. Der Richter wird die Akte ggf. selbst an die StA weiterleiten. Von daher kann man sich als Gegner tatsächlich vornehm zurückhalten.


  6. einen fast deckungsgleichen fall eines –gegen den willen eines beschuldigten zugeordneten strafverteidigers–erlebe ich im moment…so einen anwalt wird man nicht mehr so leicht los…..


    • Die Entpflichtung eines beigeordneten Verteidigers kann in der Tat schwierig sein, wenn die Beiordnung an sich ordnungsgemäß war, also dem Beschuldigten hinreichend Zeit gegeben worden ist, selbst einen Verteidiger zu benennen.

      Bei Äußerungen wie den im obigen Beitrag geschilderten würde indes wohl jedes Gericht einem Antrag des Beschuldigten auf Beiordnung eines anderen Verteidigers stattgeben.


      • danke.das ist verständlich.NUR : dem beschuldigten wurde in keinster weise die wahl eines PV überlassen. es wurde ihm nicht die möglichkeit eingeräumt, einen verteidiger zu benennen.der wurde „einfach“ vom gericht bestimmt und der PV hat den beklagten zudem „in die pfanne“ gehauen. nach 2 verhandlungen wurde berufung beantragt und–weil diese angeblich nicht vollumfänglich war–nun revision. das nicht nur ohne den pflichtverteidiger sondern auch GEGEN seinen ausdrücklichen willen. sein verhöhnender kommentar: es reicht !!

        einem antrag auf entpflichtung und beistellung eines wunschverteidigers wurde vor der berufungsverhandlung vom landgericht abgelehnt..so war die berufungsverhandlung–gelinde gesagt–eine farce.–also ich weiss ja auch nicht…aber ein anwalt sollte zumindest nicht GEGEN seinen mandanten handeln. auch wenn er nur eine kostenpauschale geltend machen kann…traurige sache


  7. […] der ärgste Feind […]



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