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Mandant: „Ich habe da einmal etwas vorbereitet“

April 15, 2013

In einer Wirtschaftsstrafsache, in welcher der Mandant bei einer Verurteilung mit einer Freiheitsstrafe rechnen mußte, stand ein Gespräch mit den Strafverfolgern bevor. Es stand außer Frage, daß der Mandant sich strafbar gemacht hatte, wobei der Umfang der Strafbarkeit indes nicht gar so einfach zu beurteilen war.

Das Gespräch sollte zunächst dazu dienen, die Lage zu sondieren. Die Verteidigungsstrategie war dabei mit dem Mandanten eingehend erörtert worden.

10 Minuten vor dem Gesprächstermin traf ich mich mit dem Mandanten, welcher verkündete, daß er noch mit einem Bekannten über die Sache gesprochen habe. Der besagte Bekannte sei zwar kein Jurist, kenne sich aber richtig gut mit Strafrecht aus. Der Bekannte habe ihm geraten, eine von ihm formulierte Stellungnahme zu verlesen und das Gespräch mit den Strafverfolgern danach abzubrechen.

Unheil witternd ließ ich mir von dem Mandanten das vorbereitete Schreiben zeigen.

Ich behaupte, daß der durchschnittliche Jurastudent im ersten Semester bereits ohne weiteres erkannt hätte, daß dieses Schreiben für den Mandanten ebenso hilfreich war wie die Behandlung mit Daumenschrauben und einer Streckbank.

Auf meinen dringenden Rat verlieb das Schreiben also in der Tasche des Mandanten. Das Gespräch mit den Strafverfolgern verlief ausgesprochen angenehm. An die Stelle der Freiheitsstrafe wird nun voraussichtlich eine Geldstrafe treten, mit deren Höhe der Mandant mehr als zufrieden ist. Von dem Ergebnis sichtlich angetan teilte der Mandant mit, daß er froh sei, von der „Strategie“ seines Bekannten Abstand genommen zu haben. Er sei sich nun gar nicht mehr so sicher, daß dieser sich wirklich mit Strafrecht auskenne.

Ich will nicht ausschließen, daß sich der Bekannte mit der Begehung von Straftaten auskennt. Von Strafverteidigung hatte der besagte Bekannte sicherlich keine Ahnung.

RA Müller

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4 Kommentare

  1. Am besten daran ist der letzte Absatz! *gg

    Tja, es kommt eben immer auf den Betrachtungswinkel an, nöch?! ;o)


  2. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: der Strafverteidiger, der gute Ratschläge für die zukünftige Begehung von Straftaten gibt (s. http://ungereimtheiten.wordpress.com/2013/03/31/das-handy-der-standige-polizist-in-deiner-hosentasche ).


    • ^Mag es auch geben, soll indes anderen überlassen bleiben. Wie pflegt ein Kollege zu sagen, wenn ihn ein Mandant bittet, etwas in die JVA oder aus der JVA zu schmuggeln: „Es wäre ziemlich dumm von mir, das als Rechtsanwalt zu unternehmen. Sie möchten doch sicherlich keinen Strafverteidiger, der dumm ist, oder?“


  3. […] Kanzlei und Recht wird beschrieben, dass nicht jede Vorbereitung sinnvoll ist. Manchmal ist sie auch ergebnislos. So […]



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