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Schadenssteuerung durch Versicherer bei Verkehrsunfällen

April 23, 2013

Das Interesse eines Haftpflichtversicherers, die Kosten der Regulierung eines Verkehrsunfalles niedrig zu halten, ist verständlich. Bedenklich wird es, wenn dem über seine Rechte nicht hinreichend informierten Geschädigten durch die Schadensteuerung des Versicherers Rechte abgeschnitten werden.

So liegt mir das Schreiben eines Versicherers vor, das an eine Person gerichtet ist, der dieser Versicherer aus einem Verkehrsunfall heraus Schadensersatz schuldet:

 

1.  Gutachten erst ab 2.000,- €?

Der Versicherer teilt zunächst mit, daß die Einholung eines Sachverständigengutachtens bei einem Schaden unter 2.000,- € „nicht erforderlich“ ist.

Bei dem Geschädigten könnte hierbei der Eindruck entstehen, daß ihm die Kosten eines Sachverständigen bei einem niedrigeren Schaden nicht erstattet werden. Tatsächlich liegt die „Bagatellgrenze“ in der Rechtsprechung deutlich niedriger. Nur wenn der Geschädigte erkennen kann, daß der Schaden den Betrag von 700,- € nicht übersteigt, soll er gehalten sein, von der Einholung eines Sachverständigengutachtens zunächst abzusehen.

 

2.  Wer wählt den Sachverständigen aus?

Weiter teilt der Versicherer mit, daß der Geschädigte unter einer von dem Versicherer genannten Rufnummer einen Sachverständigen beauftragen möge, wenn die Reparaturkosten 2.000,- € voraussichtlich übersteigen.

Es steht zu vermuten, daß es sich um einen Sachverständigen handelt, welcher zu dem Versicherer in einem Näheverhältnis steht. Nicht auszuschließen ist, daß das Gutachten dann für den Versicherer „günstiger“ ausfällt als bei Beauftragung eines anderen, von dem Geschädigten selbst ausgewählten Sachverständigen. So liegen mir regelmäßig Gutachten vor, die von Versicherungen in Auftrag gegeben worden sind, in denen sich zu einer möglichen Wertminderung ebensowenig Angaben finden wie zu dem kalendertäglichen Nutzungsausfall etc.

Dabei hat der Geschädigte das Recht, sich den Gutachter selbst auszusuchen. Jeder im Verkehrsrecht tätige Anwalt wird seinem Mandanten bei Bedarf einen geeigneten Sachverständigen empfehlen können.

 

3.  Muß ich nach Erhalt des Gutachtens abwarten bis der Versicherer das Gutachten geprüft hat?

In dem besagten Schreiben weist der Versicherer den Geschädigten sodann darauf hin, daß der Geschädigte bei einem Totalschaden nach Übersendung des Gutachtens dem Versicherer ermöglichen müsse, den Restwert zu überprüfen, wenn der Geschädigte das Fahrzeug unrepariert veräußern will („Wir müssen die Richtigkeit des Gebots prüfen„).

Tatsächlich steht es dem Versicherer zwar frei, die Richtigkeit des Restwertangebots zu prüfen. Auch dürfen Sie dem Geschädigten ein höheres Restwertangebot unterbreiten, das er sich anrechnen lassen muß, wenn er das Angebot mühelos annehmen kann. Der Geschädigte darf indes auf die Richtigkeit des Gutachtens vertrauen und das Fahrzeug sofort nach Eingang des Gutachtens veräußern. Erreicht ihn ein höheres Restwertangebot zu einem Zeitpunkt, zu dem er das Fahrzeug bereits verkauft hat, so ist das höhere Angebot hinfällig.

Wartet der Geschädigte die Rückmeldung des Versicherers ab, so sehe ich schon die Auseinandersetzung mit dem Versicherer vor mir, wenn der Geschädigte für diese Zeit ebenfalls Nutzungsausfallentschädigung geltend macht…

 

Geschädigte sollten bei einem Verkehrsunfall regelmäßig einen im Verkehrsrecht tätigen Rechtsanwalt hinzuziehen, wenn sie ihre Interessen angemessen vertreten wissen wollen, zumal der einstandspflichtige Versicherer auch die Anwaltskosten zu erstatten hat.

RA Müller

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