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Die Zeugin mit der „Autopanne“

Mai 2, 2013

An dieser Stelle hatte ich bereits davon berichtet, daß nicht alle Zeugen begeistert sind, bei Gericht aussagen zu dürfen müssen. In einer kürzlich verhandelten Strafsache teilte eine Zeugin der Geschäftsstelle des Berufungsgerichts mit, daß sie leider nicht zum Termin kommen könne. Sie habe eine Autopanne erlitten.

Die Zeugin dürfte damit gerechnet haben, daß ihr diese Angabe die unerwünschte Vernehmung ersparen würde, schließlich hatte dieses Vorgehen auch in erster Instanz schon wunderbar funktioniert. Auch dort hatte sie ausweislich der Strafakte an dem Tag, an dem sie vernommen werden sollte, bei Gericht angerufen und von einer bedauerlichen Autopanne berichtet. Man verzichtete sodann in der ersten Instanz auf ihre Vernehmung.

Nun hatte der Berufungsrichter die Akte indes sorgfältig gelesen und so stand ihm diese Begebenheit noch deutlich vor Augen. Er ließ sich also über die von der Zeugin mitgeteilte Handy-Nummer mit der Zeugin verbinden und erkundigte sich danach, wo sich die Zeugin gerade befand. Die Zeugin erwiderte – wohl wenig begeistert angesichts dieser Nachfrage -, daß sie sich wieder auf dem Heimweg befand. Auf weitere Nachfrage teilte sie mit, daß der Fahrzeugdefekt behoben war.

Noch weniger begeistert dürfte die Zeugin gewesen sein, als der Richter sie anwies, unverzüglich zu wenden und zum Gericht zu fahren. Sie könne bei der anzusetzenden Fahrtstrecke ohne weiteres in etwa 1 1/2 Stunden am Gerichtsort sein. So lange werde die Hauptverhandlung ohnehin dauern.

Tatsächlich dauerte die Hauptverhandlung dann fast fünf Stunden. Wer nicht erschien, war die Zeugin.

Der verständlicherweise ungehaltene Richter verfügte, daß die Zeugin zum nächsten Termin durch die Polizei vorgeführt werden sollte. Dieses Schicksal ist der Zeugin indes erspart geblieben. So hatte ich angeregt, eine weitere Akte beizuziehen, welche die Aussage des Hauptbelastungszeugen in ein für den Zeugen wenig vorteilhaftes Licht rückte, so daß ein Einvernehmen dahingehend erzielt werden konnte, das gegen meinen Mandanten geführte Strafverfahren einzustellen.

Wir werden also leider nicht mehr erfahren, was die Zeugin trotz des behobenen Fahrzeugdefekts daran gehindert hatte, bei Gericht zu erscheinen.

Eine neuerliche Autopanne?

Ein Stau?

Ein Erdbeben?

RA Müller

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