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Beweis: Weil ich es so sage!

Juli 10, 2013

In einer Unfallsache ist das Vorbringen des gegnerischen Versicherers bei genauem Hinsehen geradezu amüsant. Der Mandant macht Reparaturkosten einschließlich sogenannter Verbringungskosten geltend. Es handelt sich um Kosten, die in Rechnung gestellt werden, wenn das Fahrzeug im Zuge der Reparatur lackiert werden muß und die Werkstatt, die über keinen eigenen Lackierbetrieb verfügt, das Fahrzeug zum Lackierer verbringen muß.

Über die Frage der Ersatzfähigkeit von Verbringungskosten bei einer Abrechnung auf der Grundlage eines Gutachtens oder eines Kostenvoranschlages wird regelmäßig gestritten (siehe etwa den Beitrag im Schadenfixblog sowie den Beitrag in der Rechtslupe, in dem sich eine interessante Argumentation für die generelle Erstattungsfähigkeit der Verbringungskosten findet).

In einem mir vorliegenden Fall verweist der Versicherer darauf, daß die Reparaturkosten unter anderem im Hinblick auf die Verbringungskosten überhöht seien. Zum Beweis beruft sich der Versicherer auf einen Prüfbericht (zu der Unsitte der Prüfberichte siehe den Beitrag bei Recht & Gesetz), den er selbst in Auftrag gegeben hat. Zu den Verbringungskosten weist der Prüfbericht indes darauf hin, daß diese „auftragsgemäß“ unberücksichtigt geblieben sind, „da der regulierende Versicherer diese erst nach Erbringung eines entsprechenden Nachweises erbringt„.

Endlich wird ganz offen ausgesprochen, was hinter vielen der Prüfberichte steht:

Der Versicherer erteilt Anweisungen, wie ein solcher Prüfbericht auszusehen hat, um dem Geschädigten dann triumphierend den ach so unabhängigen Prüfbericht vorzulegen und ihn hierdurch von der Geltendmachung seiner Ansprüche abzuhalten.

Ich möchte wetten, daß die obige Passage sich nicht mehr allzu lange in den Prüfberichten finden wird…

RA Müller

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4 Kommentare

  1. Verstehe das Problem nicht, wenn ich die Statik in meinem Haus geprüft haben will, dann bleibt „auftragsgemäß“ ein möglicher Asbestbefall ungeprüft, denn dafür müsste ich extra Auftrag erteilen.

    Der Prüfer des Versicherten sagt doch nur, dass er die Verbringungskosten nicht geprüft hat, weil der Versicherer die nich ohne Nachweis erbringt. D.h. er prüft sie erst, wenn der Nachweis da ist, sonst müsste er ja zweimal prüfen (wenn z.B. der Nachweis neue Tatsachen bzw. Tatsachenbehauptungen enthält) …


    • Der Versicherer sagt: Verbrinungskosten muß ich nicht bezahlen, siehe Prüfbericht. Der „Prüfer“ sagt: Verbringungskosten habe ich nicht berücksichtigt, siehe Auftrag des Versicherers.
      Es ist also schlichtweg Unfug, wenn sich der Versicherer zum Nachweis dafür, daß Verbringungskosten nicht zu erstatten sind, auf den Prüfbericht beruft.


  2. Das stimmt! Der Fehler liegt dann aber im Schreiben des Versicherers und nicht im Prüfbericht, d.h. die oben genannte Passage in den Prüfberichten dürfte stehen bleiben …


    • Die Passage wollte ich auch nicht beanstanden. Ich mutmaße allerdings, daß der Versicherer darum „bitten“ wird, diese Passage zukünftig nicht zu verwenden.



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