h1

Argumente? Fehlanzeige

August 14, 2013

Über das Verhalten eines gewissen Telekommunikationsanbieters kann man sich nur wundern. Meinem Mandanten wird am Telefon angeblich ein Vertrag aufgeschwatzt. Mein Mandant hat das Gespräch anders in Erinnerung. Er hatte den Inhalt des Telefonats derart vor Augen, daß er vor dem eigentlichen Vertragsabschluß noch Unterlagen zugeschickt bekommen sollte. Als er dann einige Zeit Vertragsunterlagen erhielt, legte er diese zunächst zur Seite, stellte später fest, daß die Gegenseite von einem Vertragsschluß ausging und erklärte den Widerruf.

Ich bat die Gegenseite, mir die dort angeblich vorliegende Gesprächsaufzeichnung zur Verfügung zu stellen, schließlich berief man sich zum Nachweis des Vertragsschlusses auf diese Aufzeichnung. Die barsche Antwort: Die Aufzeichnung liege vor. Man werde sie allerdings erst in einem gerichtlichen Verfahren vorlegen. Mein Mandant möge überlegen, ob er es darauf ankommen lassen wolle.

Mein Mandant scheut das Verfahren nicht, zumal ich die Gegenseite darauf verweisen konnte, daß die dort verwendete Widerrufsbelehrung einen entscheidenden Fehler aufwies. Die Widerrufsfrist war zu kurz angegeben worden. Der Widerruf meines Mandanten war also nicht verfristet.

Anstatt auf dieses Argument einzugehen, beauftragte die Gegenseite eine Anwaltskanzlei, die meinen Mandanten ohne nähere Begründung zur Zahlung aufforderte.

Ich wies für meinen Mandanten auf die fehlerhafte Widerrufsbelehrung und den den wirksamen Widerruf hin.

Es folgte ein unangemessenes Vergleichsangebot der Gegenseite.

Ich weise erneut darauf hin, daß angesichts des wirksamen Widerrufs kein Vergleich in Betracht kommt.

Es folgte durch die gegnerischen Kollegen ein weiteres Vergleichsangebot.

Auf die fehlerhafte Widerrufsbelehrung geht man schlichtweg nicht ein. So kann man auch unnötige Korrespondenz produzieren…

RA Müller

Advertisements

9 Kommentare

  1. Was passiert denn, wenn Sie auf die Schreiben ihres stupiden Kollegen gar nicht reagieren? Er schickt ja nur Angebote und die muß man ja nicht annehmen.

    Sachargumente zu ignorieren und weiter unberechtigt Geld zu fordern scheint bei vielen Großkonzernen tägliche Praxis zu sein.
    Das geht bis zum Mahnbescheid und erst wenn dem widersprochen wurde, beschäftigt sich jemand mit dem Vorgang.
    Manchmal auch erst nach dem Vollstreckungsbescheid.

    Eine Bekannte bekam nach langem fruchtlosen Schriftwechsel einen Mahnbescheid. Dem wurde widersprochen.
    In einem Schreiben an die Firma Nutzlos-Inkasso fragte ich dann, ob meine Bekannte jetzt wirklich juristische Hilfe in Anspruch nehmen muß um sich mittels einer negativen Feststellungsklage vor weiterem Unfug aus Ihrem Hause zu schützen.
    Seitdem ist Ruhe.


    • Das letzte Schreiben der gegnerischen Kollegen hatte ich unbeantwortet gelassen. Es folgte eine Anfrage der Gegenseite, wann endlich mit einer Antwort zu rechnen ist.


      • Manchmal mache ich dann den Vorschlag, daß man den Kopf nicht nur zum Haare schneiden, sondern auch zum Denken verwenden kann.
        Dazu versichere ich, daß ich aus eigener Erfahrung weiß, daß die Denktätigkeit, entgegen landläufiger Meinung, nicht zu Kopfschmerzen führen würde und sie es doch ruhig mal probieren sollen.
        Leider kommt danach meist das nächste substanzlose Schreiben und zeigt mir, daß mein Vorschlag ins Leere gelaufen ist.


      • Eben, da ist jedes Wort zuviel. Oft gehen die Schriftsätze ja eh automatisiert raus, bzw. werden ausgedruckt, zur Unterschrift vorgelegt und abgeschickt. Ich denke nicht, dass sich irgendein Anwalt den Sachverhalt anschaut. Einfach bis ans Ende aller Tage weiterignorieren oder bis die farbigen Umschläge kommen.


  2. Die Ausführungen zur angeblichen Tonbandaufzeichnung kommen mir von einem einschlägigen Unternehmen, dessen Firma mit „p“ anfängt und nur in Kleinbuchstaben geschrieben wird, sehr bekannt vor.


  3. Mir kommen die Ausführungen auch sehr bekannt vor. Auch hier ist eine Firma – die zufälligerweise mit „p“ beginnt – durch wiederholte telefonische Anfragen hinsichtlich eines „Vergleichsvorschlags“ aufgefallen. Argumente wurden ebenso wie ein erklärter Widerruf ignoriert.


  4. Da meine Mandantin rechtsschutzversichert ist, werde ich wohl bei Gelegenheit mal negative Feststellungsklage erheben.


    • Oh, das wäre sicher „prima“ :-))



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: