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Kunst am Körper

August 15, 2013

Vor einiger Zeit durfte ich einen Mandanten vertreten, der zuvor einem Tätowierstudio den Auftrag erteilt hatte, seinen Körper zu verschönern. Der Mandant hatte genaue Vorstellungen, wie die Tätowierung aussehen sollte, wozu er dem Tätowierer eine Postkarte als Vorlage überreichte.

Als die Tätowierung zwar noch nicht vollendet war,  sich diesem Stadium allerdings zusehends angenähert hatte, kamen dem Mandanten merkliche Zweifel, daß das Motiv tatsächlich wunschgemäß umgesetzt wurde. War etwa auf der Postkarte ein wilder Wolf zu erkennen, so wirkte das Tier auf dem Rücken des Mandanten wie treu dreinblickender Schoßhund.

Der Mandant begehrte die bereits gezahlten Kosten für die Tätowierung zurück. Die Gegenseite beharrte darauf, daß das Kunstwerk frei von Fehlern sei. So genau wie auf der Postkarte, von welcher das Motiv stammte, lasse es sich eben nicht umsetzen.

Die Parteien trafen sich schließlich vor dem zuständigen Amtsgericht wieder. Dort schlossen sie einen Vergleich. Dabei hatte ich mit dem gegnerischen Kollegen bereits spekuliert, wo das Gericht wohl einen Sachverständigen für Tätowierkunst auftreiben würde. Das wäre ohne Zweifel ein interessantes Gutachten geworden.

RA Müller

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3 Kommentare

  1. Der Tattowierer hätte mit dem Kunden vorab alles genauer besprechen müssen und ihm ggf. sagen das er es nicht schafft das Motiv so genau wie auf der Postkarte umzusetzen. Würde mich interessieren ob es sich um ein großflächiges Kunstwerk gehandelt hat, bei dem sich der Streitwert jenseits der 1000,- Marke bewegt bzw. Covern (Überdecken, Ausbessern) keine Option gewesen wäre?


  2. Das Tätowierer häufig nicht in der Lage sind eine bestimmte Qualität zu liefern fällt mir immer wieder auf, ist aber auch verständlich. Nicht jeder kann alles gleich gut malen, also wird auch nicht jeder alles gleich gut stechen können. Aber wird genau deshalb nicht normalerweise vorher eine Skizze in Orginalgrösse gemacht damit man sieht wie es später aussieht?


    • Leider wird meist keine extra Skizze gemacht. Man kann sich nur vorher die Mappen von den bereits realisierten Arbeiten des Tätowierers durchsehen um so seine „Skills“ in den jeweiligen Stilen (Realistic, Oldscool, etc…) zu prüfen oder mit ihm abklären was er am Bild vllt. vorhat zu ändern (weil er es nicht exakt so hinbekommt)
      Ich habe leider selbst ein verhunztes Tattoo, das allerdings bald von einem anderen gecovert werden soll.



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