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Das Rundum-Sorglos-Paket der Werkstätten

August 26, 2013

Unfälle werden heutzutage nicht selten durch Werkstätten reguliert. Die Werkstätten bieten dem Kunden an, für die Beauftragung des Gutachters zu sorgen und alle Formalitäten in die Hand zu nehmen. Kosten seien damit nicht verbunden. Für den Geschädigten erscheint dies als „Rundum-Sorglos-Paket“, zumal das beschädigte Fahrzeug sich in der Regel ohnehin bei der Werkstatt befindet. Tatsächlich machen die Geschädigten häufig den sprichwörtlichen Bock zum Gärtner, da die Werkstatt zunächst ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen im Blick hat.

Ein Paradebeispiel für eine solche Unfallregulierung, in dem die Einstandspflicht des gegnerischen Versicherers unstreitig war, liegt mir aktuell vor:

  • Die Werkstatt beauftragte im Namen ihres Kunden den Sachverständigen. Es handelte sich indes um einen Sachverständigen, dessen Auswahl die Werkstatt zuvor mit dem einstandspflichtigen Versicherer abgestimmt hatte. Hätte der Geschädigte, der den Sachverständigen frei hätte wählen können, wirklich gewollt, daß die Gegenseite den Sachverständigen aussucht, der über die Schadenshöhe entscheidet?
  • Nunmehr neun Monate nach dem Unfall ist der Unfall bei klarer Verursachungslage noch nicht vollständig reguliert.
  • Die Werkstatt hat ihren Kunden darauf hingewiesen, daß der Schaden nur dann bezahlt wird, wenn er das Fahrzeug in einer Fachwerkstatt reparieren läßt. Diese Auskunft ist vorliegend schlichtweg falsch und dürfte nur dazu gedient haben, den Reparaturauftrag zu erhalten. Ebensogut hätte der Mandant etwa aus dem Gutachten den Netto-reparaturbetrag geltend machen können, ohne das Fahrzeug überhaupt zu reparieren.
  • Die eingetretene Wertminderung ist noch nicht bezahlt worden. Der Werkstatt konnte das gleichgültig sein, da dieser Betrag „nur“ dem Kunden zusteht. In anderen Fällen habe ich bereits erlebt, daß eine solche Wertminderung, obgleich diese nahe lag, im Gutachten des (Versicherungs-)Sachverständigen gar nicht ausgewiesen war und erst auf ein entsprechendes anwaltliches Schreiben hin ergänzt wurde.
  • Auch Nutzungsausfall ist bislang nicht bezahlt worden. Das Sachverständigengutachten läßt zudem die Angabe vermissen, welcher Betrag pro Tag anzusetzen ist. Auch dieser Betrag steht nur dem Kunden zu, so daß ein eigenes Interesse der Werkstatt an der Geltendmachung dieser Forderung nicht besteht. Es drängt sich die Frage auf, wie viele Geschädigte in vergleichbaren Fällen gar nicht merken, daß der ersatzfähige Schaden gar nicht vollständig ausgeglichen worden ist.

Das vermeintliche Rundum-Sorglos-Paket hat dem Geschädigten vorliegend merklichen Verdruß bereitet, ohne daß er hiervon einen Vorteil hatte. Man sollte es sich gut überlegen, bevor man den Bock zum Gärtner macht…

(Bei der Beauftragung eines Anwalts wären bei dem Geschädigten auch ohne Rechtsschutzversicherung keine Anwaltskosten verblieben, da der Versicherer des Unfallverursachers auch diese Anwaltskosten übernehmen muß. Ein im Verkehrsrecht tätiger Anwalt hätte dem Geschädigten auch einen Sachverständigen benennen können, der seine Tätigkeit nicht nach den Interessen der Versicherungswirtschaft ausrichtet.)

RA Müller

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