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Anwalt umgangen?

September 4, 2013

Ist der Gegner anwaltlich vertreten, so hat ein Anwalt mit dem Gegenanwalt zu korrespondieren und darf sich nicht direkt an den Gegner wenden. Vorliegend hatte sich der Kläger durch Anwalt A, der Beklagte durch Anwalt B vertreten lassen. Die Anwälte hatten auch immer brav jeweils den anderen Anwalt angeschrieben.

Nachdem der Beklagte den Prozeß verloren hatte, rief er Anwalt A an. Wegen der erfolgenden Zwangsvollstreckung müsse es doch möglich sein, eine einvernehmliche Regelung zu finden. Er bat also Anwalt A darum, ihm eine Ratenzahlung zu ermöglichen.

Dem kam Anwalt A auch sogleich nach und schickte dem Beklagten ein Schreiben mit einem Zahlungsvorschlag.

Aus heiterem Himmel schrie nun Anwalt B Zeter und Mordio. Wie konnte sich Anwalt A nur erdreisten, sich direkt an seinen Mandanten zu wenden. Das sei eine bodenlose Unverschämtheit. Er werde Anwalt A gegenüber von nun an nur noch das absolute Mindestmaß an Kollegialität entgegenbringen.

Anwalt A wird jetzt vermutlich zutiefst betrübt und mindestens ebenso betroffen sein. Oder er wird sich sagen, daß er auch weiterhin lieber Prozesse gewinnt anstatt sich mit Kollegen um nichts und wieder nichts zu zanken.

RA Müller

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7 Kommentare

  1. Sind Sie Anwalt A? Und wenn Sie so einleiten wie Sie einleiten, dann frage ich mich warum Sie dann Anwalt B nicht verstehen können. Sie hätten dem Beklagten ja auch sagen können, rufen Sie bitte Ihren Anwalt an, der kann mir das ja dann schicken. 🙂


  2. Anwalt A hat hier einen klaren Verstoß gegen Standesrecht begangen. Keinen schwerwiegenden oder gar folgenträchtigen, aber einen glasklaren. Auch im Rahmen einer Zahlungsvereinbarung zur Meidung der Zwangsvollstreckung ist das Umgehungsverbot durchaus wichtig sinnvoll, denn es gibt immernoch einige Dinge, die ein rechtlicher Laie nicht unbedingt vollständig überblicken kann. Exemplarisch sei nur die regelmäßig enthaltene Verfallklausel und ihre Konditionen genannt.

    Deshalb muss Anwalt B sicherlich nicht gleich an die Decke gehen. Ein freundlicher Hinweis hätte es wohl getan.

    Unterm Strich haben sich beide nicht besonders positiv hervorgetan.


    • Da bin ich mir nicht sicher, denn A hat sich ja nicht unter Umgehung von B an den Mandanten von B gewandt, sondern der Mandant von B direkt an A. Hätte ja auch sein können, dass das Mandatsverhältnis nach verlorener Klage mittlerweile beendet worden ist.


      • Seh ich ähnlich. Wenn sich der Gegner nach Unterliegen im Prozess an mich wendet, dann darf ich als Anwalt davon ausgehen, dass der Gegner entweder sich von seinem Anwalt getrennt hat oder dass es mit dem abgesprochen war. Klar, ich kann nachfragen und sollte das vllt auch tun, aber es ist doch ein Unterschied, ob der mich anruft oder ich ihn


  3. Sorry, aber das ist alles ziemlich verquer hier … 😉

    Fakt ist, dass es schlicht und einfach Sache des Beklagten ist, zu entscheiden, ob er sich nach Abschluss des eigentlichen Verfahrens auch weiterhin im Zusammenhang mit einer Ratenvereinbarung von Anwalt B vertreten lassen will.

    Das ist nämlich keineswegs selbstverständlich; das Mandat von Anwalt B endet mit Erledigung des Rechtszugs, also mit dem Urteil. Eine Vertretung in der Zwangsvollstreckung oder auch bei einer Teilzahlungsvereinbarung ist ein neues Mandat … mit entsprechender Kostenfolge.

    Und es ist natürlich allein Sache eines Schuldners (ehemals Beklagten), ob er zur Regelung seiner Schulden anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen will … oder eben nicht. Wenn er sich selbst und allein mit Anwalt A auseinandersetzen will, kann er das natürlich tun.

    Mit Umgehung des Gegenanwalts hat das absolut nichts zu tun, weil es – bei einer neuen Angelegenheit – schlicht an einem Mandat des Gegenanwalts fehlt.


  4. Nunja, ob das Mandat mit Abschluss des ersten Rechtszuges endet, ist eine Frage des Mandatsverhältnisses zwischen Anwalt B und Beklagtem. Hier wäre zumindest eine Nachfrage bei Anwalt B angezeigt gewesen, den üblich ist das nach meiner Wahrnehmung keineswegs. Ich gehe bei anwaltlicher Vertretung der Gegenseite stets solange vom Fortbestand aus, bis ich vom Gegenteil unterrichtet werde (bei Indizien eben auf Nachfrage). Anwalt A hätte ja auch den Beklagten im Telefonat kurz fragen können, ob das Mandat mit Anwalt B fortbesteht.

    Auch der von Larifarimogelzahn angesprochene Umstand, dass es der Beklagte war, der den Kontakt zu Anwalt A zunächst suchte, ändert hieran nichts. Untersagt ist ausdrücklich das „Verbindung aufnehmen oder verhandeln“ (§ 12 BORA). Dies wird gemeinhin so ausgelegt, dass ein vom gegnerischen Mandanten aufgenommer Kontakt zu unterbinden ist, jedenfalls aber keine nachfolgende Kontaktaufnahme des Anwalts rechtfertigt (hier erfolgt durch das Schreiben). Vgl. z.B. RAK München: http://rak-muenchen.de/berufsrecht/umgehung-des-gegenanwalts/

    Unterm Strich liegt der Verstoß gegen § 12 BORA m.E. klar auf der Hand, ist aber eben auch nicht mehr als ein Fauxpas, da ja keine Übervorteilung des Mandanten o.ä. (primärer Schutzzweck des § 12 BORA) auch nur im Entferntesten beabsichtigt war.



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