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Die linke und die rechte Hand

September 17, 2013

Das Haus des Mandanten hatte einen massiven Schaden erlitten. Über Wochen hinweg konnte er nicht in seinem trauten Heim leben. Zumindest war ein Versicherer einstandspflichtig, so daß der Mandant die Schadensbeseitigungskosten nicht selbst zu tragen hatte.

Für die Dauer der Arbeiten benötigten der Mandant also eine anderweitige Unterkunft. Der Sachverständige, den der Versicherer mit der Schadensabwicklung beauftragt hatte, bat den Mandanten, einen Kostenvoranschlag betreffend die Hotelkosten einzureichen. Diesen Kostenvoranschlag leitete er an den Versicherer weiter, welcher dem Sachverständigen grünes Licht gab. Dieses wiederum teilte der Sachverständige dem Mandanten mit, der fortan im Hotel übernachtete.

Das böse Erwachen kam dann, als er die Hotelabrechnung an den Versicherer übersandte. Dieser wollte plötzlich nichts mehr davon wissen, daß er der Hotelübernachtung zugestimmt hatte. Eine solche Absprache habe es nicht gegeben. Bereits aus den Versicherungsbedingungen ergebe sich zudem, daß Kosten in dieser Höhe nicht zu übernehmen seien.

Die außergerichtliche Korrespondenz führte nicht zu einem Umdenken des Versicherers, so daß wir Klage eingereicht haben. Im Verfahren wurde nun der Sachverständige als Zeuge gehört. Vollumfänglich bestätigte er den diesbezüglichen Vortrag des Mandanten. Er konnte sich sogar noch daran erinnern, welcher Sachbearbeiter des Versicherers ihm mitgeteilt hatte, daß die vollständigen Hotelkosten übernommen werden würden.

Auch wenn der Mandant vorliegend das Glück hatte, daß der Sachverständige des Versicherers sich noch genau an den Vorfall erinnert und entsprechend ausgesagt hat, kann man aus derartigen Vorfällen nur den Schluß ziehen, sich entsprechende Zusagen von Versicherern stets schriftlich geben zu lassen, mag der Versicherer auch noch so kulant erscheinen. Bisweilen weiß dort die linke Hand nicht, was die rechte tut.

RA Müller

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2 Kommentare

  1. Auch wenn das zynisch klingt – ist es möglich, dass der Sachverständige sich so nicht Nachteile einhandelt?


    • Ausschließen kann ich das naturgemäß nicht, auch wenn es nicht so sein DARF.



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