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Und das ohne Rechtsschutzversicherung?

Oktober 8, 2013

Bei der Regulierung von Verkehrsunfällen benötigt der Geschädigte in der Regel keine Rechtsschutzversicherung. Soweit nämlich der Unfallgegner den Unfall verschuldet hat, so hat er auch die Kosten des Anwalts zu tragen, der für ihn die Regulierung des Schadens übernimmt. Der weit überwiegende Teil der Unfälle läßt sich dabei mit anwaltlicher Hilfe zur Zufriedenheit des Geschädigten ohne ein gerichtliches Verfahren regulieren.

Wenn allerdings über die Höhe der zu leistenden Zahlungen keine Einigung erzielt wird und der Geschädigte Klage einreichen möchte, ist es durchaus sinnvoll, einen entsprechenden Rechtschutzvertrag abgeschlossen zu haben. Dieses gilt um so mehr, wenn darüber gestritten wird, ob eine HWS-Distorsion gerade durch den Verkehrsunfall eingetreten ist, da in diesen Fällen regelmäßig zwei Gutachten eingeholt werden: Zunächst wird in einem unfallanalytischen Gutachten die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung dargestellt. Anschließend prüft ein medizinischer Sachverständiger, ob hierdurch die beklagte Verletzung eingetreten ist. Es entstehen hierdurch merkliche Kosten, die der Kläger als beweisbelastete Partei zu verauslagen hat.

Wird eine solche Klage erhoben und keine Prozeßkostenhilfe beantragt, so gehe ich auf Beklagtenseite davon aus, daß der Kläger über eine Rechtsschutzversicherung oder über eine wohl gefüllte „Kriegskasse“ verfügt.

In einem aktuell geführten Verfahren scheint dem Kläger beides nicht zur Seite zu stehen.

Die Vorschüsse an die beiden Gutachter hat der Kläger bereits bezahlt. Die Gutachten liegen auch bereits vor, wobei danach allerdings „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen ist, daß die Beschwerden des Klägers durch den Unfall verursacht worden sind“.

Der Kläger beantragt nun, den Sachverständigen zum Termin anreisen zu lassen, damit dieser sein Gutachten noch einmal mündlich erörtert und er hierzu befragt werden kann. Als das Gericht wegen der damit verbundenen Kosten von dem Kläger einen weiteren Vorschuß anfordert, bittet der Kläger um eine Fristverlängerung. Er müsse wegen des weiteren Vorschusses zunächst mit seinem Bankinstitut sprechen. Ein weiterer Fristverlängerungsantrag weist darauf hin, daß die Verhandlungen mit dem Bankinstitut wegen des Vorschusses noch andauern.

Sollte der Kläger das Verfahren tatsächlich aus eigener Tasche bezahlen und das Geld nicht „auf der hohen Kante“ haben, so könnte es ein bitterer Verfahrensausgang werden, dürften die Verfahrenskosten mittlerweile den moderaten Streitwert doch merklich übersteigen. Ich halte es zudem für ausgesprochen unwahrscheinlich, daß die Sachverständigen von ihrer deutlich zum Ausdruck gebrachten Auffassung abweichen werden.

RA Müller

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3 Kommentare

  1. eingehend Stefan Bachmor, Die HWS-Verletzung als Primärverletzung in der gerichtlichen Praxis..,Schleswig-Holstein Anzeiger 3/2013


  2. Naja, da lässt sich später ggf. ein Regressanspruch des Gegners gegen seinen Anwalt pfänden. 😉


  3. Aua, das ist wie bei einer Pechsträhne im Spielcasino einen Kredit aufzunehmen um weiterspielen zu können, in der Hoffnung am Ende mindestens mit +/-0 bei rauszukommen.



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