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Späte Einsicht?

November 11, 2013

Jeder im Verkehrsrecht tätige Rechtsanwalt wird aus dem Stegreif Fälle aufzählen können, in denen der einstandspflichtige Versicherer sich durch besondere Zahlungsunwilligkeit auszeichnete und Forderungen „auf Teufel komm raus“ bestritt. Man mag gelegentlich noch Verständnis für den jeweiligen Versicherer aufbringen, wenn die Verweigerungshaltung zumindest argumentativ untermauert ist. Bisweilen reagiert indes allein die Sturheit.

In einem aktuellen Fall war es im Begegnungsverkehr zu einer Kollision zweier Fahrzeuge gekommen. Außer den beiden Fahrern hatte niemand den Unfall wahrgenommen. Beide beschuldigten den jeweils anderen, die Fahrbahnmitte überfahren zu haben und damit in den Gegenverkehr geraten zu sein. Der Unfall war zwar polizeilich aufgenommen worden. Auch die Polizei hatte indes nur feststellen können, daß sich nicht aufklären ließ, wer den Unfall verursacht habe, zumal auf der Straße keine sachdienlichen Spuren vorzufinden waren.

Die Haftungslage gestaltete sich enkbar einfach: Jeder hatte einen Anspruch auf Ersatz des hälftigen Schadens gegenüber dem Unfallgegner (bzw. dessen Versicherer). Ich trat also wegen des hälftigen Schadens am Fahrzeug meines Mandanten an den gegnerischen Versicherer heran. Dieser verweigerte indes unter verweis auf die Sach- und Rechtslage jede Zahlung. Auch der ausdrückliche Hinweis auf die Unaufklärbarkeit des Unfallgeschehens führte zu keinem Umdenken.

Ich reichte also für meinen Mandanten Klage ein. Unverzüglich nach Zustellung der Klage kam ein Schreiben des Versicherers: Man wolle den Prozeß nicht aufnehmen und habe den Klagebetrag nebst Zinsen angewiesen. Auch meine außergerichtlichen Kosten seien bezahlt. Ich möge bitte noch mitteilen, welche Kosten durch das Klageverfahren entstanden seien. Auch diese werde man übernehmen.

Späte Einsicht des Versicherers? Nein, vermutlich war man sich durchaus bewußt, daß man bei Einreichung der Klage zahlen würde, war nur davon ausgegangen, daß eine Klage nicht erhoben werden würde.

RA Müller

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2 Kommentare

  1. Mit den Argumenten von Haftpflichtversicherern könnte man ganze Bände füllen.

    Meine Favoritin ist wohl die Sachbearbeiterin, die den Fall zu bearbeiten hatte, in dem der bei ihrer Gesellschaft versicherte Pkw auf der Gegenspur mit dem Fahrzeug unserer Mandantin zusammengestoßen war. Vorgerichtlich wurde keinerlei Zahlung geleistet mit dem Argument, unsere Mandantin habe gegen das Gebot des Fahrens auf Sicht verstoßen.

    Kurz nach Klageerhebung kam dann plötzlich Einsicht…


    • Das hat der Mandantschaft sicherlich die Sprache verschlagen. Von einem „Argument“ des gegnerischen Versicherers möchte man da gar nicht sprechen.



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