h1

Posch, mon amour…

November 22, 2013

Kennt einer die Sendung Christopher Posch – ich kämpfe für ihr Recht?

Heute ein Anruf einer Mandantin: „Ich hab gestern diese Sendung gesehen, und da haben zwei Mädchen die Schreiben von der Gewerbeauskunftszentrale unterschrieben gehabt, und jetzt wollten die Geld von denen haben… Und dann hat dieser Anwalt da erstmal ermittelt, was da für ein Firmengeflecht hintersteht und dann hat er die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und war dann bei einer Hausdurchsuchung dabei, … ich wollte nur mal wissen, warum Sie sowas nicht auch mal machen in meiner Sache…“

Kurz – ich habe höflich geantwortet.

Ich habe der Mandantin erklärt, dass es für die behaupteten zivilrechtlichen Ansprüche erstmal völlig egal ist, was für ein Wasserkopf an Firmengeflecht hinter der Gewerbeauskunftzentrale möglicherweise steht. Dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nichts – aber auch gar nichts – mit der Frage der Begründetheit der behaupteten Forderungen zu tun hat. Und dann habe ich darauf hingewiesen, was wir in ihrer Sache aktiv tun könnten. Im Ergebnis werden werden also weiter das tun, was wir nach einem Anschreiben an die Gegenseite bereits getan haben – nämlich nichts mehr.

Was ich nicht getan habe:

Ich habe der Mandantin nicht erklärt, dass ein nach RVG abrechnender Anwalt bei Tätigkeiten betreffend Forderungen bis 1.000,00 € für eine durchschnittliche Tätigkeit derzeit ohne Umsatzsteuer erhält ca. 124,00 €, ich habe ihr nicht erklärt, dass davon nicht nur der Anwalt, sondern die gesamte Kanzlei (Angestellte, Miete, Infrastruktur, Arbeitsmaterial, Beiträge für Versicherungen, Steuern etc.) bezahlt werden muss, ich habe ihr nicht erklärt, dass, wenn ich in dieser Sache außergerichtlich auch nur einen Schritt vor die Tür machen würde, dieses Mandant tatsächlich für uns ein Verlustgeschäft darstellen würde.

Und ich habe ihr nicht erklärt, dass der Kollege Posch – würde dieser jedes Mandat so wie dargestellt betreiben und nur nach RVG bezahlt werden – mit Sicherheit sich höchstens ein gebrauchtes Fahrrad leisten können – und nicht den Schlitten, den er da wohl aus dramaturgischen Gründen fährt (warum eigentlich?).

Vielen Dank an RTL dafür, dass ich jetzt Gespräche führen darf, die es ohne diese aufklärerische, sauber recherchierte und realitätsnahe, das Rechtsverständnis des Einzelnen so bereichernde Sendung nie gegeben hätte.

RA Klenner

Advertisements

4 Kommentare

  1. Man hätte das Gespräch kurz halten können: Kann ich machen, kostet 350 Euro/Stunde. Und dann noch ein dezenter Hinweis darauf, dass Posch sicherlich noch mehr bekommt.

    Ich habe auch heute was über den härtesten Anwalt Deutschlands verbloggt: http://www.strafakte.de/nachrichten/muss-dieser-bauer-wegen-wendler-den-knast/


  2. Dann dürfen Sie sich aber nicht wundern, wenn die Mandanten mit den hohen Streitwerten ebenfalls genau vorgerechnet haben wollen, ob der anwaltliche Aufwand die dann entsprechend hohen Gebühren rechtfertigt.


    • Das ist ja das schöne an hohen Streitwerten: Nur der Streitwert muss gerechtfertigt werden und nicht der Aufwand 😉


  3. […] über die Folgen von “RTL-Gerichts-Rechtsanwaltssendungen“, vgl. auch hier: Posch, mon amour… […]



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: