h1

Und wie verlassen Sie einen Fahrstuhl?

Dezember 13, 2013

Mein späterer Mandant befand sich für einige Tage im Krankenhaus. Nach einer frühmorgendlichen Behandlung wollte er zurück auf sein Zimmer, trat aus einem Fahrstuhl auf den Flur, verlor hierbei das Gleichgewicht und verletzte sich bei dem Sturz durchaus erheblich. Der Boden vor dem Fahrstuhl war frisch gewischt worden und noch merklich feucht. Ein Warnschild, das auf die Feuchtigkeit hinwies, war nicht aufgestellt worden. Aus dem Fahrstuhl heraus war die Reinigungskraft, welche noch mit dem Wischen des Bodens befaßt war, zudem nicht zu erkennen, da sich diese in einiger Entfernung seitlich vom Fahrstuhl aufgehalten hatte.

Das Krankenhaus weigerte sich, für die Unfallfolgen einzustehen und befleißigte sich einer zum Teil eigenartigen Argumentation.

  • So sei zu bedenken, daß das Aufstellen eines Warnschildes die Gefahr sogar noch vergrößert (!) hätte. Würde man nämlich „zwischen der Beendigung der Nassreinigungsarbeiten und dem Trockenwischen“ ein Warnschild aufstellen, so würde sich das Trockenwischen hierdurch verzögern. Der Fußboden wäre dann also noch länger feucht und die Gefahr entsprechend größer. –> Auf die Idee, das Warnschild vor dem Wischen des Bodens aufzustellen, scheint niemand gekommen zu sein.
  • Sodann verwies das Krankenhaus darauf, daß ein Warnschild ohnehin nicht erforderlich gewesen sei, da die Reinigungsarbeiten früh am Morgen durchgeführt wurden. –> Tatsächlich finden indes auch derart früh am Morgen schon reguläre Behandlungen in dem besagten Krankenhaus statt. Auch die Behandlung des Klägers hatte zum Unfallzeitpunkt bereits stattgefunden.
  • Schließlich berief sich das Krankenhaus darauf, daß der Kläger vor dem Verlassen des Fahrstuhls die Reinigungsfachkraft habe sehen müssen. –> Dieses hätte allerdings vorausgesetzt, daß der Kläger vor dem Verlassen des Fahrstuhls zunächst vorsichtig den Kopf aus dem Fahrstuhl herausgestreckt hätte, um umsichtig links und rechts nach Gefahrenherden Ausschau zu halten. Wer es sich zur Gewohnheit macht, einen Fahrstuhl in derartiger Weise zu verlassen, der hätte wohl eher befürchten müssen, fortan in einer anderen Abteilung des Krankenhauses behandelt zu werden…
  • Letztlich behauptete das Krankenhaus, daß der Kläger ungeeignetes Schuhwerk getragen habe. –> Bedauerlicherweise sah man davon ab zu schildern, welche Anforderungen nach Auffassung des Krankenhauses an Schuhwerk zu stellen sind, daß Patienten tragen, wenn sie sich dort aus ihrem Zimmer wagen. Demnächst kommt noch jemand auf die Idee, daß sich Patienten vor dem Betreten des Krankenhauses ein Helm aufsetzen müßten. Unabhängig hiervon hatte der Kläger sogar Schuhe mit einer rutschhemmenden Sohle getragen.

 Das zuständige Landgericht hat dann auch „kurzen Prozeß“ gemacht und das Krankenhaus verurteilt, den Kläger für die Unfallfolgen zu entschädigen.

RA Müller

Advertisements

One comment

  1. Zu deutsch: zu doof zum laufen und dann noch Geld dafür bekommen.

    Also ehrlich: wir sprechen hier ja nicht von Schmierseife, wer es schafft auf einem leicht feuchten Boden auf die Schnauze zu fliegen, der hat das auch verdient.



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: