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Geschichten wie sie das Leben schreibt

Dezember 18, 2013

Im Gerichtssaal auf den Aufruf meiner Zivilsache wartend folgte ich der vorherigen Verhandlung:

Der Vermieter hatte seine unliebsame Mieterin den Zugang zur angemieteten Wohnung vereitelt, indem er das Schloß auswechseln und durch ein Sicherheitsschloß ersetzen ließ. Eine Kündigung hatte er nicht für erforderlich gehalten, schließlich habe die Mieterin keine Miete gezahlt. Im Eilverfahren hatte die Mieterin nun beantragt, dem Vermieter aufzugeben, ihr Zugang zur Wohnung zu verschaffen.

Das Gericht war sichtlich bemüht, den Vermieter davon zu überzeugen, daß sein Verhalten nicht rechtmäßig war. Er hätte eine Kündigung aussprechen und erforderlichenfalls ein gerichtliches Räumungsverfahren anstrengen müssen.

Die Ausflüchte des Vermieters (u.a. „Aber ich kann ihr den Schlüssel nicht geben. Es handelt sich um ein Sicherheitsschloß und ich habe dafür nur einen einzigen Schlüssel.„) verfingen nicht.

Schließlich knickte der sichtlich geknickte Vermieter ein und erkannte den Anspruch an, nur um – nach einem erneuten Angriffspunkt suchend – zu bemerken, daß seine Mieterin doch Wasser und Strom sicherlich nicht ebenfalls gemietet habe… Der Richter verdrehte die Augen und wies den Vermieter darauf hin, daß er nicht auf die Idee kommen möge, der Mieterin nun Wasser und Strom abzustellen, wenn er nicht nächste Woche einen erneuten und vermutlich ebensowenig erfreulichen Termin bei Gericht haben wolle.

Man darf davon ausgehen, daß sich durch den Ausspruch einer Kündigung die Sache nicht in Wohlgefallen auflösen wird. Draußen lief ich später der Mieterin über den Weg, welche lautstark telefonierte und den Angerufenen darauf hinwies, daß es sich nicht um das letzte Gerichtsverfahren mit ihrem Vermieter handeln werde.

Am Rande sei angemerkt, daß die Mieterin angeblich dem horizontalen Gewerbe nachging und der Vermieter, der in diesem Wissen den Mietvertrag mit ihr geschlossen hatte, nunmehr – ebenfalls angeblich – in einen wenig erfreulichen Disput mit seiner Ehefrau geraten war. Dieses mag den Vermieter beflügelt haben, die Mieterin nun so schnell wie möglich loszuwerden. Allein hierauf konnte das Gericht keine Rücksicht nehmen.

RA Müller

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