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Szenen aus dem Gerichtssaal XXXIII: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Januar 17, 2014

Für meinen Mandanten hatte ich verschiedene Forderungen aus einem mündlich geschlossenen Mietvertrag eingeklagt. Es kam zur Verhandlung. Der Beklagte war nicht erschienen, so daß das Gericht ein sogenanntes Versäumnisurteil erlassen wollte, nach welchem der Beklagte den eingeklagten Betrag zu zahlen hatte. Mein Mandant schien indes bestrebt zu sein, das Blatt zu seinen Ungunsten zu wenden. So entspann sich folgende, sinngemäß wiedergegebene Unterhaltung:

Richter: „Vorliegend machen Sie Forderungen geltend aus einem mündlichen Mietvertrag…“

Mandant: „Nein, nein, einen mündlichen Mietvertrag gibt es nicht…“

Ich (trocken): „Das meint mein Mandant nicht.“

Richter an meinen Mandanten: „Sie meinen, daß es keinen schriftlichen Mietvertrag gibt.“

Mandant: „Herr Richter, es gibt weder einen mündlichen, noch einen schriftlichen Mietvertrag…“

Ich (nunmehr konsterniert): „Das meinen Sie nicht. Selbst der Beklagte hat doch auf den mündlich geschlossen Vertrag Bezug genommen.“

Richter (leicht belustigt): „Vielleicht sollten Sie es bei dem Vortrag belassen, den Ihr Anwalt getätigt hat…“

Mandant (unverdrossen): „Darüber, daß die Beklagte die Wohnung mietet, gab es einen mündlichen Vertrag. Aber über die Konditionen der Anmietung gibt es keinen mündlichen Vertrag [an dieser Stelle baute der Mandant eine Pause in seinen Satz ein], woraus sich die von dem Beklagten behaupteten Bedingungen ergeben. Vereinbart war das ganz anders.“

Das Verfahren hat der Mandant gewonnen. Es bestanden auch keine Zweifel daran, daß ein mündlich geschlossener Mietvertrag geschlossen worden war, auch wenn man den Eindruck gewinnen konnte, daß mein Mandant bestrebt war, die Sache schwieriger zu gestalten als sie hätte sein müssen 😉

RA Müller

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One comment

  1. Dem Mandanten vorher klar machen:

    1.) Den Richter immer ausreden lassen.
    2.) Wenn Du was sagen willst, flüstere es mir ins Ohr.
    3.) Und auch sonst lässt Du mich für mich sprechen, es sei denn, der Richter besteht darauf, dass Du es selbst sagst.

    Wenn der Mandant sich dann nicht daran hält, ist es wirklich sein Pech. Den Mund zukleben kann man ihm nicht. 😉 Von redseligen Mandanten lasse ich mir, soweit es der Fall erlaubt, gerne auch eine Vollmacht nach § 141 Abs. 3 ZPO geben.



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