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Die Masche mit dem Telefonsex

März 5, 2014

Gestern hat der Kollege Ratzka hier von einem Mahnschreiben der „Euro Inkasso Solutions s.r.o.“ berichtet, in welchem nachdrücklich die Bezahlung von angeblich in Anspruch genommenen Telefonsex-Dienstleistungen geltend gemachten wurde.

Über die letzten Jahre hinweg haben mich immer wieder Mandanten in derartigen Angelegenheiten aufgesucht. Eine Firma, deren Name sich schneller ändert als das Wetter, beauftragt mal dieses, mal jenes Inkasso-Unternehmen, die behaupteten Forderungen geltend zu machen. Die Masche scheint erfolgreich zu sein, denn andernfalls würden nicht Jahr für Jahr weitere Betroffene diese Schreiben erhalten. Die Betroffenen befürchten möglicherweise, wegen angeblicher Telefonsex-Anrufe verklagt zu werden, und zahlen, auch wenn es solche Anrufe gar nicht gab.

In den Mahnschreiben wurde dabei stets darauf verwiesen, daß über den Anschluß des Betroffenen eine der im Schreiben genannten Rufnummern angerufen worden sei. Es folgten vier völlig unterschiedliche Rufnummern. Bei allen Rufnummern wurden die letzten drei Ziffern nicht mitgeteilt.

Wußte man etwa selbst nicht, welche Rufnummer der Betroffene angerufen hatte?

Sicher schien man sich nur zu sein, daß jeder Anruf stolze 90,- € kostete.

Die Betroffenen, die mich aufsuchten, versicherten stets, keinen solchen Anruf getätigt zu haben. Auch der Telefonanbieter bestätigte den Mandanten regelmäßig, daß ein solcher Anruf dort nicht verzeichnet war. Nach alledem habe ich meinen Mandanten in diesen Fällen empfohlen, Strafanzeige zu erstatten und auf keinen Fall eine Zahlung an die Gegenseite zu leisten. An die Gegenseite gerichtete Schreiben wurden dabei nie beantwortet und hinderten auch weitere Mahnungen nicht. Entsprechende Schreiben dürfte man sich also schenken können.

In der Regel ist es nicht einmal notwendig, sich anwaltlichen Beistand zu suchen, wenn man eines der Mahnschreiben erhält. Wer sich sicher ist, daß über den eigenen Anschluß kein solcher Anruf erfolgt ist, sollte vielmehr die Füße still halten und sich nicht einschüchtern lassen. Mir ist noch kein einziger Fall untergekommen, in dem die Gegenseite in diesen Fällen versucht hat, die behauptete Forderung gegenüber dem jeweiligen Mandanten gerichtlich durchzusetzen.

Der Betroffene sollte allerdings über eine gewisse Nervenstärke verfügen. Einige Mandanten berichteten, gleich drei oder vier der Mahnungen an einem Tag erhalten zu haben. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen berichtet an dieser Stelle gar von einem Fall, in dem der Betroffene 32 (!) Forderungsschreiben zu je 90,- € erhielt.

Zahlte der Betroffene nicht, folgten weitere Mahnungen, die teilweise von anderen Inkasso-Unternehmen versendet wurden. Ein Mandant ließ sich von den Schreiben gar derart beunruhigen, daß er die ganze Nacht nicht schlafen konnte und am nächsten Morgen zu seiner Bank ging, um den geforderten Betrag zu überweisen. Er befürchtete, andernfalls unliebsamen Besuch von Geldeintreibern erhalten zu werden. Glücklicherweise war der Bankmitarbeiter aufmerksam und riet seinem Kunden dringend von der Zahlung ab, woraufhin der immer noch höchst aufgeregte Mandant mich aufsuchte und ich ihm denselben Rat erteilte. Sang- und klanglos ist die Angelegenheit daraufhin im Sande verlaufen. Die von der Gegenseite aufgebaute Drohkulisse war nichts als Schall und Rauch. Nach einigen fruchtlosen Mahnungen ließ man nie wieder etwas von sich hören. Auch der Bundesvervand Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. rät hier dazu, Strafanzeige zu erstatten.

RA Müller

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4 Kommentare

  1. Ich hatte mal bei einem Spammer bestellt, der auch tatsächlich auf Rechnung geliefert hat. Es gab nur eine Bulgarische Bankverbindung, aber keine weiteren Kontaktdaten, nicht mal eine Firmenbezeichnung.
    Mein Ziel war, diesen Spammer irgendwie aus der Reserve zu locken, deswegen habe ich die Rechnung nicht bezahlt.

    Nach 5 Mahnungen kam dann Post vom Inkasso. Denen habe ich geantwortet, daß ich Spam-Emails ohne Ende von der Firma erhalten, dann einmal bestellt habe und die Rechnung nicht bezahlen werde. Sie sollen mich doch auf Zahlung verklgen, dann muß der anonyme Spammer seine Identität preisgeben.

    Hat leider nicht so funktioniert, wie erhofft. Inkasso teilte mir mit, daß man die Geschäftsbeziehung mit dem Auftraggeber beendet habe.
    Nie wieder was gehört.


    • Soeben hat sich wieder ein Mandant gemeldet, wonach er ein neues Schreiben von dem Inkassounternehmen bekommen habe. Papier hat man dort offensichtlich genug. Papier ist ja auch geduldig…


      • Ist den das Inkassounternehmen identifizierbar?
        Könnte man denen nicht eine negative Feststellungsklage zukommen lassen und bei jedem neuen Inkassoladen wiederholen, bis auch die letzten Abzocker verstanden haben, daß es so nicht geht?
        Soweit ich weiß, muß die Inkassobude doch in so einem Fall auch die Kosten tragen – ein Dauerauftrag zum Geldverdienen mittels Standardbrief, diesmal nur umgekehrt?


        • Die Gegenseite kommt aus dem Ausland. Angesichts des unseriösen Eindrucks, den die Gegenseite macht, habe ich erhebliche Zweifel, daß der Mandant seinen Kostenerstattungsanspruch durchsetzen könnte. Negative Feststellungsklagen werden zudem von Rechtsschutzversicherungen nicht abgedeckt, so daß der Mandant die Prozeßkosten selbst vorschießen müßte. Dazu kann ich dem jeweiligen Mandanten kaum raten.



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