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Ja, ist der denn wirklich Anwalt?

März 12, 2014

Eine Mandantin suchte mich mit einem anwaltlichen Schreiben auf, angesichts dessen Inhalts sie sich entrüstet zeigte. Das Schreiben habe dabei derart laienhaft gewirkt, daß sie sich zunächst kundig gemacht habe, ob es sich bei dem Verfasser tatsächlich um einen Rechtsanwalt handelte, welches sich indes zu ihrer Überraschung bestätigt habe.

Bei Durchsicht dieses Schreibens konnte ich die Verwunderung der Mandantin nachvollziehen. Unabhängig von der zum Teil fragwürdigen Rechtschreibung verlieh der Anwalt seinen Worten durch die Verwendung von Ausrufezeichen Nachdruck. Besonders schön war das Ausrufezeichen nach „Mit freundlichen Grüßen“. Man sieht förmlich vor sich, daß der Anwalt beim Dikat dieser Zeile mit der Faust auf den Tisch schlug.

Diese Kleinigkeiten waren indes nichts gegen den Inhalt des Schreibens. Man muß sich schon sehr wundern, wenn ein Anwalt der Adressatin „den wohlmeinenden Rat“ erteilt, sich wegen psychischer Probleme in ärztliche Behandlung zu begeben. Sie sei vermutlich „aus gutem Grund ohne Beschäftigung“. Mag auch die Mandantin des Kollegen einer derartigen Auffassung sein, so sollte ein Anwalt derartige Anfeindungen meines Erachtens nicht ohne Not ungefiltert im eigenen Namen übernehmen.

Wer sich derart aus dem Fenster lehnt, wenn er einer Person schreibt, die er nie zuvor gesehen hat und nur aus der Schilderung seiner Mandantin kennt, muß sich nicht wundern, wenn er die Bodenhaftung verliert und hinausfällt.

RA Müller

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6 Kommentare

  1. Das erinnert mich an einen Kommentar eines Besuchers des Blogs von Herrn Hoenig. Den hatte offenbar mal ein Mandant ernsthaft gefragt, ob er ihm nicht seine „Briefköpfe mit Blankounterschriften für die „alltäglichen kleinen“ Streitigkeiten überlassen könne.“ Vielleicht gibt es ja vertrauensselige Anwälte, die das wirklich tun?


    • Bei dem Gedanken daran läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken *brrrr*


  2. Es ist sicher kein Einzelfall, daß ein Mandan seinen Rechtsanwalt mit einer Art akademischer Schreibkraft verwechselt und zum Beratungstermin ein mehrseitiges Machwerk mitbringt, daß der Rechtsanwalt nur noch rasch auf seinen Briefkopf „ziehen“ soll. Möglichst ohne Berechnug versteht sich.


  3. Von der bitte nach Briefköpfen mit Blankounterschrift zur Verfertigung von Fälschungen ist es m.M. nur noch ein kleiner Schritt … evtl. mal beim Kollegen nachfragen ob das Machwerk wirklich aus seiner Feder stammt …


  4. Hat dies auf laut und leise literatur lesen rebloggt und kommentierte:
    irgendwie begleiten solcherart Rechtschreibmängel auch immer wieder Persönlichkeitsdefizite


  5. […] Kanzlei und Recht […]



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