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Beweisvereitelung

April 15, 2014

Der spätere Kläger begehrte von meinem Mandanten Schadensersatz wegen der Beschädigung seines Kfz. Es liege ein Totalschaden vor. Mein Mandant bat um die Vorlage eines Sachverständigengutachtens zur Schadenshöhe, da er „leichte“ Zweifel am Vortrag des Gegners hegte. Die Einholung eines Gutachtens verweigerte der Gegner indes, schließlich seien damit Kosten verbunden.

Mein Mandant bot an, die Kosten in jedem Fall übernehmen zu werden und auch bereit zu sein, den Sachverständigen selbst zu beauftragen, wenn der Gegner dieses wünschte. Anstatt hierauf einzugehen, erhob der Gegner Klage und verwies darauf, daß das Gericht die Schadenshöhe doch bitte schätzen möge.

Nun läßt das Gesetz eine solche Schätzung zwar grundsätzlich zu, § 287 ZPO. Selbst wenn eine solche Schätzung indes ausnahmsweise kein Spezialwissen erfordern sollte, so hat der Kläger dem Gericht hinreichende Tatsachen mitzuteilen, auf welche die Schätzung gestützt werden kann. An einer fundierten Tatsachengrundlage mangelte es vorliegend indes, worauf das Gericht den Kläger deutlich hinwies.

Endlich teilte der Kläger mit, daß ein Sachverständigengutachten eingeholt werden möge, wies das Gericht allerdings zeitgleich darauf hin, daß er an dem Fahrzeug seit dem Unfall (und nach der Bitte meines Mandanten, ein Gutachten einzuholen) erhebliche Veränderungen vorgenommen und den Schaden beseitigt habe. Nachweise hierfür konnte oder wollte er nicht vorlegen.

Das Gericht beschied, daß aufgrund der Veränderungen, die er trotz gerichtlicher Nachfrage nicht im Einzelnen darstellte, ein Gutachten keinen Aufschluß mehr über den Zustand des Fahrzeugs nach dem Unfall geben könne. Da der Kläger auch keine geeignete Grundlage für eine Schätzung des Schadens vorgelegt hatte, wies das Gericht die Klage ab.

Diese Auffassung teilte zwischenzeitlich auch das vom Kläger bemühte Berufungsgericht.

Warum der anwaltlich beratene Kläger außergerichtlich die Beauftragung eines Sachverständigen verweigerte und statt dessen selbst an seinem Fahrzeug herumbastelte, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

RA Müller

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2 Kommentare

  1. Ich frage mich bei der Schilderung, warum ihn sein Anwalt nicht über die Erfolgsaussichten seiner Klage aufmerksam gemacht hat. Andererseits: Die Berufung gegen die Entscheidung erweckt bei mir den Eindruck, dass der Kläger eher lernresistent ist


    • Zur Ehrenrettung des Kollegen: Der Kollege ist mir aus anderen Angelegenheiten als durchaus gewissenhaft bekannt, so daß es sich vermutlich um einen beratungsresistenten Kläger handelt.



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